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Ostermontag
Ostermontag. In meinen Augen ein merkwürdiger Tag. Eben der Tag danach. Ostersonntag: ja das ist noch was. Pauken und Trompeten: Christ ist erstanden.
Aber Montag? Fest und Feier waren; was ist ab heute? Nüchtern macht mich der Tag darauf aufmerksam, dass mir Ostern noch bevorsteht. Dass wir alle unser Leben noch in dieser unerlösten Welt einrichten müssen. Trotz des Auferstehungsjubels. Eine unerlöste Welt das sind wir. Wir wissen zwar um Gottes großes Ostern, wir wissen, dass wir ewiges Leben haben, dass es schon in uns ruht aber noch nicht ist. Immer, wenn wir Ostern feiern, wenn wir uns daran erinnern: Jesus hat den Tod überwunden, feiern wir auch immer schon ein wenig die Erlösung von unserem Tod. Das ist nicht einfach zu verstehen; denn von unserem persönlichen Tod sind wir natürlich nicht befreit. Dem werden wir nicht entgehen. Aber wenn wir uns an Gottes großen Sieg über den unausweichlichen Tod erinnern, dann erinnern wir uns auch daran: schon jetzt werden wir in unserem Leben über viele kleine unausweichliche Tode siegen. Denn wir sterben ja nicht nur den einem Tod am Ende unseres Lebens. Auf dem Weg dahin müssen wir viele Niederlagen verkraften, die allemal kleine Tode sind.
Zu Recht sagen wir ja, dass wir Träume und Illusionen begraben müssen, dass ein Stück von uns stirbt, wenn eine Liebe, eine Freundschaft zerbricht. Wenn also Gottes großer Sieg über den Tod für mein Leben hier einen Sinn haben soll, dann doch den: meine vielen kleinen Tode hier sollen sich in neues Leben verwandeln. So können wir auch schon in unserem Leben ganz persönliche Auferstehungen feiern: Wenn wider Erwarten die Nacht gut verlaufen ist, die Schmerzen nachlassen, wenn eine neue Liebe unseren Weg kreuzt, eine zerbrochene Freundschaft heilt; wenn ein Arbeitsplatz gefunden, die Ehe gerettet wurde; wenn verlorene Kinder wieder heimkehren und sich die Zerstrittenen versöhnen. Wenn die Träume auferstehen und die Hoffnungen zum Leben erwachen. Alles kleine Triumphe in meinem Leben. Von Gott geschenkt. Von ihm lasse ich mir sagen: Wenn du heute in den Tag gehst, Will ich dich begleiten. Deine Schritte sollen sich In meinen wieder finden und deine Finger tanzen Im schatten meiner Hände. Mit deinen Augen will ich sehen, Und was du anschaust An meine Seele binden. Deinen Kopf will ich füllen Mit meinen Wünschen. Wenn du heute in den Tag gehst, Will ich dich begleiten, Und allein lassen, Und dich wieder finden. Wenn du heute in den Tag gehst, Singe mir ein neues Lied, Denn ich bin dein Wunder. Ich halte dich bei deiner rechten Hand Und mit mir fürchte dich nicht. Wenn du heute in den Tag gehst, Bin ich dein Gott.
Ostermontag
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