Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

10.04.07, 8.56 Uhr, Dr. Gerd Höft

Sehnsucht allgemein

In dieser Woche nach dem Osterfest soll es hier in den Morgenandachten um die Sehnsucht gehen; besser: um ein paar Sehnsüchte.

Einige dieser Sehnsüchte habe ich mir vorgenommen und will sie an den nächsten Tagen etwas genauer beleuchten:
Es sind oft liebe alte Bekannte. Die Sehnsucht nach Erfolg z.B., die Sehnsucht nach Liebe oder  gar die Sehnsucht nach Unsterblichkeit.
Mit der Sehnsucht verhält es sich ja so: da gibt es zunächst Sehnen. Ja denken Sie ruhig an die Sehnen in Ihrem Körper. Die Dinger, die unsere Muskeln mit den Knochen verbinden und uns so beweglich halten.

Im übertragenen Sinne stimmt das auch.  weil ich ja  nicht nur die Sehnen, sondern oft auch ein Sehnen in mir habe. Und wie die Sehnen meinem ganz realen Körper, so hilft mir auch mein Sehnen. Es hält mich beweglich. Es verhindert nämlich Gefühlsstarre und Gedankenarmut.
Soweit, so gut.

Aber auch das wissen wir: Sehnen  können reißen und dann passiert genau das, was sie eigentlich verhindern sollen: kaputte Sehnen machen uns weitgehend bewegungsunfähig,

Genau so geht es uns auch, wenn wir das Sehnen einstellen, weil uns dann nichts mehr bewegt, nichts mehr vorantreibt, weiterführt, neue innere Landschaften nicht mehr entdeckt werden. Unser Denken wird starr und fest, unsere Empfindungen zunächst Routine und dann trocknen sie ein. Aber da ist ja noch die Sucht von der Sehnsucht: Sucht klingt gar nicht gut. Da klingeln uns die Ohren: Abhängigkeit, Verderbnis, krank, körperlicher und seelischer Ruin, sterben und Tod. Aber so ist das halt, wenn zum Sehnen die Sucht kommt. Wenn aus dem Sehnen nach dem Gläschen Rotwein Alkoholismus wird, aus der Lust an der Entspannungszigarette der Lungenkrebs, aus der harmlosen Schwärmerei Mord und Totschlag, aus Frömmigkeit Fanatismus. So gesehen hat Sehnsucht immer auch eine gefährliche Seite. Sehnsüchtler wandern auf schmalem Grat. Sie können viel erreichen, aber auch alles verlieren. Sie können mitreißen, aber auch runterreißen. Also: Vorsicht mit der Sehnsucht. Und wo lerne ich den vorsichtigen Umgang mit der Sehnsucht? Natürlich in der Heiligen Schrift. Die erzählt in vielen Drehungen und Wendungen von den Sehnsüchten der Menschen und was sie alles anstellen, um sie zu befriedigen und sie erzählt davon, wie Gott die Sehnsüchte seiner Menschenkinder hegt und pflegt und ihnen Richtung und Ziel gibt. Obwohl: im griechisch geschriebenen Neuen Testament kommt „sehnen“ als Wort nur selten vor und dann heißt es eigentlich „seufzen“ oder „stöhnen“. So falsch ist das ja nicht. Wer hätte nicht schon in seinen Sehnsuchtszeiten geseufzt und gestöhnt.  Das Seufzen und Stöhnen erinnert uns daran: wenn’s um die Sehnsucht geht, fließt viel Herzblut. Glaubensmenschen wissen auch, es gibt ein Ziel, nach dem sich unser Sehnen mit seufzen und stöhnen ausstreckt, ein Ziel,das es lohnt, viel Herz und viel Verstand zu investieren: nämlich Gott und seiner Vorstellung von einem sehnsuchtsgesättigten Leben für uns. Denn so sagt es ein Vers im Psalm 38:“ Gott, du kennst all mein Begehren und mein Seufzen ist dir nicht verborgen.“ Also schauen wir uns morgen z.B. die Sehnsucht nach Erfolg an.

Audiobeitrag Sehnsucht allgemein


Druckversion

Suche

Sendungen der Woche

Sendungen am Sonntag

Sendungen im Fernsehen