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Sehnsucht nach Erfolg
Diesen Werbefilm haben Sie sicher noch in Erinnerung: zwei alte Schulfreunde treffen sich nach langer Zeit und führen ihre persönliche Erfolgsstory vor
Stolz knallen sie die Beweise ihres Erfolgs in Form von Fotografien auf den Tisch. Mein Haus, mein Auto, mein Boot oder so ähnlich.
Geschwellte Brust, zwei Gockel halt, die ihre Federn spreizen - und von Ferne meint man vom Misthaufen ihr Gekrähe zu hören. Mein Haus noch größer, mein Auto noch mehr PS, mein Boot noch luxuriöser.
Gestik und Mimik verraten: Ich bin der Größte, der Beste, hab alles erreicht und immer noch kein Ende der Fahnenstange, noch ein bisschen Anstrengung, noch ein paar Investitionen an Zeit, Kraft und Ausdauer und dann noch ein größeres Haus, noch ein schnelleres Auto, noch ein besseres Boot.
Ein geschickter Werbespot ist das! Denn in jedem von uns und sei es noch so tief verborgen- schlummert oder rumort die Sehnsucht nach Erfolg. Und das ist keine schwache Sehnsucht, sondern ein mächtiger Motor, der uns vorwärts treiben will und auch treibt. Ist daran etwas auszusetzen? Erst mal nicht.
Es ist doch wunderbar, Begabungen und Fähigkeiten in sich zu spüren, sie dann zu wecken, zu fördern, einzusetzen. Und dann dieses Glücksgefühl, wenn es gelungen ist: die Prüfung bestanden, das Traumauto gekauft die Liebe des Lebens gefunden, die Erziehung der Kinder gelungen, eine Krankheit besiegt, im Beruf vorangekommen, einen Streit geschlichtet, einen aus dem Sumpf seines Lebens gezogen. Wunderbar.
Genug Geld verdient für die lang ersehnte Ferienreise, das eigene Haus, genug gelernt für ein neues Berufsziel, genug Energie, um eine Krise zu meistern. Sehnsucht nach Erfolg? Ja bitte und am besten mit Erfolgsgarantie. Aber jede Sehnsucht hat ein Doppelgesicht, auch eine dunkle, süchtige Seite. Ein Blick in die Heilige Schrift zeigt das schon. Jesus erzählt das Gleichnis von einem Erfolgsmenschen, der vor lauter Erfolg etwas ganz Wesentliches aus den Augen verloren hatte. Das Gleichnis geht so: ein Bauer hat geschuftet und geschuftet. Sein totaler Einsatz zahlt sich aus. Sein Vermögen wächst und wächst. Außer Arbeit gönnt er sich nichts. Irgendwann hat er dann den Eindruck, jetzt sei es genug, jetzt sei die Zeit gekommen, seinen Reichtum zu genießen. In dieser Nacht spricht Gott zu ihm und das, was er sagt, lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: Idiot! Du hast in deinem Leben nichts kapiert. Noch heute Nacht wirst du sterben. Solchen Erfolgskrüppeln wie dem aus dem Neuen Testament, begegnen wir auch heute noch. Sie schuften und schaffen und ordnen ihrem Erfolg alles unter. Die Ehe geht drauf, die Kinder werden quasi zu Halbwaisen, die Gesundheit ruiniert und nicht selten auch die Moral. Dann der Zusammenbruch, das große Jammern Aber: alles zu spät. Das Leben ist vorbeigerannt, man hat es gar nicht richtig wahrgenommen und jetzt ist es eben zu spät. In dem Gleichnis geht es mit keiner Silbe um die Verdammung der Sehnsucht nach Erfolg. Nein, es geht um das Suchtpotential dieser Sehnsucht. Erfolg ist in Ordnung allerdings kalkuliert den Preis. Alles einer Sache und sei es dem Erfolg- unterzuordnen, beschneidet das eigene Leben, macht es innen ärmer obwohl es nach außen immer reicher scheint. Ein so eingegrenztes Leben missachtet Gottes gute Gabe, schlägt seine Vision von einem erfüllten Leben für mich aus. Jeder Mensch hat nur ein Leben und nur dieses eine Leben kann gelebt werden. Es ist für jeden Menschen reich und vielfältig von Gott geschaffen; eine Wundertüte voll von guten Überraschungen. Es wäre doch ein Jammer, eines Tages zu sterben und nicht einmal hineingeschaut zu haben, weil mein besinnungsloses Streben nach Erfolg keine Zeit dazu ließ.
Sehnsucht nach Erfolg
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