Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

14.04.07, 6.56 Uhr, Dr. Gerd Höft

Sehnsucht nach Unsterblichkeit

Samstag. Letzter Tag der Woche. Doch das stimmt. Für Christen wenigstens. Morgen, am Sonntag, feiern wir das Fest der Erinnerung an die Auferstehung – und deshalb fängt morge

morgen das Neue an, auch die neue Woche.

Heute also letzter Tag der Woche und damit der geeignete Zeitpunkt, sich mit der Sehnsucht nach dem Letzten zu beschäftigen, mit der Sehnsucht, die alle anderen übersteigt und doch unerfüllbar ist, wenigstens auf den ersten, aber auch zweiten Blick: die Sehnsucht nach Unsterblichkeit.

Aber fangen wir mit der Frage nach Ihrer Gesundheit an. Das überrascht sie? Was hat Gesundheit mit Unsterblichkeit zu tun? Hauptsache gesund, ein frommer Wunsch, der gerne zu Geburtstagen, besonders bei den höheren, geäußert wird. Gesundheit –ein hohes Gut; dafür ruinieren wir auch gerne unsere Finanzen. Krankheit wird als Makel empfunden, etwas, das nicht passieren darf, etwas, das beseitigt werden muss –mit allen Mitteln.

Nichts gegen die Sehnsucht nach Gesundung, nichts gegen den Wunsch, den alten Zustand wiederherzustellen und zwar mit aller Kraft – aber unter der Hand ist dabei die Erkenntnis verlorengegangen, dass Krankheit, Verfall, ein Abnehmen der Kräfte wesentlich zu unserem Leben gehört – und kein Unfall ist, keine Peinlichkeit, keine Kränkung. Wir werden älter, anfälliger und dann sterben wir. So einfach ist das. Ungezählten Generationen von Menschen war das auch klar. Und sie lebten gut damit.

Wir hingegen mit unserem Gesundheitswahn, können offensichtlich nicht  gelassen krank sein, nicht in Würde altern und zufrieden sterben. Jung wollen wir sein und bleiben – für alle Zeit. Straff und schön, grenzenlos leistungsfähig, begehrenswert. Nicht einmal zwanzigjährige Frauen lassen sich an ihren Brüsten herumschnippeln, ältere Männer, - ja auch die- lassen sich liften. Wir verbringen kostbare Lebenszeit in Fitnesscentern zum Muskelaufbau und Fett abschmelzen, machen uns durch Diäten erst richtig krank. Doch unaufhaltsam werden wir älter und die Panik wächst.

Und dann steht er vor uns, der Tod, unbeeindruckt von unserem Machbarkeitwahn und unserer Sehnsucht. Mit leichter Hand wischt er alles vom Tisch. Komm, sagt er, deine Zeit ist vorbei. Egal, welche Anstrengungen du auch unternommen hast, mir zu entkommen. Vergeblich. Hättest du doch deine Lebensenergie in dein Leben gesteckt und nicht in deine Angst vor mir. Du hättest es in deinem Leben besser haben können.

Darum geht’s bei alledem – um die große und zugleich kränkende Sehnsucht, die nach Unsterblichkeit.

Diese hatten unsere Altvorderen nicht. Sie lebten zumeist ihr Leben, intensiv und so gut es ging; sie nahmen ihre Krankheiten, Ihre Gebrechlichkeiten hin wie etwas, das dazu gehört und sie legten  ihr Sterben und ihren Tod in Gottes gute Hände .

Unser Fortschrittsglaube und Machbarkeitswahn lassen uns glauben: die letzte Grenze, die letzte Hürde könnten wir aus eigener Kraft meistern oder vermeiden. Ewiges, fortdauerndes Leben gepaart mit ewiger Jungend – und Gott spielt sowieso keine Rolle mehr. Diese Sehnsucht, diese Sucht nach ungebrochener Fortdauer entzieht uns viel Lebensenergie für unser Leben hier und jetzt. Ich nenne diese Sehnsucht auch die Sündenfallsehnsucht. “Ihr werdet  sein wie Gott“, das ist das Versprechen dieser Sehnsucht schon damals im Garten Eden. Was hat uns diese Sehnsucht gekostet: zumindest das Paradies. Das wäre ja noch zu verschmerzen, wenn sie uns nicht zugleich das Leben im Leben kosten würde.
Was tun? Auch hier ein Blick in die Heilige Schrift. Lapidar heißt es da in einem Psalm: „Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“ Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Audiobeitrag Sehnsucht nach Unsterblichkeit


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