Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

14.04.07, 7.50 Uhr, Dr. Gerd Höft

Jesus, unser Trost und leben

Samstag nach Ostern. Erst eine Handvoll Tage ist es her, da haben wir das größte und wichtigste Fest der Christenheit gefeiert. Ja, Ostern ist das, nicht Weihnachten

oder Karfreitag etwa. Ostern ist die Keimzelle des Christentums, Ausgang und zugleich Höhepunkt. Hier fängt alles an, darauf läuft alles zu. Erst von Ostern her haben sich alle anderen christlichen Feste entwickelt, nur von Ostern bekommen sie ihren Sinn. Und um was geht es zu Ostern? Vergessen Sie Hasen und Eier und all die anderen Zugaben, die so richtig heidnisch sind. Ostern feiern wir den Sieg des Lebens über den Tod, sogar den Sieg über unseren eigenen Tod. Wir feiern die Auferstehung des Ersten - und Garanten für all die vielen Siege des Lebens, die noch kommen sollen, unseren eigenen inbegriffen. So hat es der Apostel Paulus geschrieben:

.Ich habe euch weitergegeben, was ich auch empfangen habe: dass Christus gestorben ist dass er begraben ist, dass er auferstanden ist und danach gesehen worden ist. Wie können einige von euch sagen: es gibt keine Auferstehung der Toten. Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind. Denn weil durch einen Menschen, Adam, der Tod gekommen ist, so kommt auch durch einen Menschen, Jesus Christus, die Auferstehung der Toten.

Mit dieser Botschaft von der Auferstehung ist Ostern ein sperriges Fest. Hasen, Eier, blühende Bäume, Frühling, das alles ist leicht zu begreifen -und zu fühlen, dass es gut ist. Aber das Fest der Auferstehung des einen, der die Auferstehung aller begründet und verbürgt, das ist harte Kost. Zu hart, als dass diese Botschaft direkt den Weg in unser Herz fände. Versuchen wir es  dennoch und lassen wir uns von unserem Choral leiten. Ernst Christoph Homburg, sein Dichter, setzt die Überschrift:

Jesus, unser Trost und Leben, der dem Tode war ergeben, der hat herrlich und mit Macht Sieg und Leben wiederbracht: er ist aus des Todes Banden als ein Siegsfürst auferstanden.  

Jesus unser Trost und Leben. Eine wichtige Vorgabe, so wichtig, dass sie im Heidelberger Katechismus ganz am Anfang steht. Der Heidelberger Katechismus ist neben Luthers Katechismus die zweite wichtige Lehrschrift der Evangelischen. Dort wird in einem Frage-Antwort-Muster alles Wissenswerte über den evangelischen Glauben abgehandelt und die allererste Frage, die offenbar wichtigste überhaupt, heißt:

Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben?

Und die so Gefragten antworten:

Dass ich mit Leib und Seele, sowohl im Leben als auch im Sterben, nicht mir sondern meinem getreuen Heiland Jesus Christus gehöre, der mich so bewahrt, dass ohne den Willen meines Vaters im Himmel kein Haar von meinem Kopf fallen kann; ja, dass mir wirklich alles zu meiner Seligkeit dienen muss. Darum versichert er mich auch durch seinen heiligen Geist des ewigen Lebens.

Jesus, als erster auferstanden bürgt auch für mein ewiges Leben. Ein großer Trost. Denn bei einer Sache scheitert ja zunächst jeder Trost und ausgerechnet die ist die wichtigste im Leben überhaupt: der Tod. Dass ich und Sie sterben werden, unausweichlich, früher oder später; dass er unwiederbringlich hinwegrafft die Jungen wie die Alten, die Gesunden und Kranken, den Lumpen und den Frommen. Das macht jedem von uns zu schaffen. Harry Belafonte, ein Sänger unserer Zeit, feierte neulich seinen 80. Geburtstag. In einem Interview antwortete er auf die Frage “Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod

Ich finde die Vorstellung reizvoll, dass da noch etwas Tolles kommt. Aber ich fürchte, ich werde als Pflanzendünger enden.

Also, ich weiß ja nicht, was Harry Belafonte glaubt. Ich jedenfalls glaube, dass Jesus, der als erster auferstanden ist, auch der Bürge für meine Auferstehung ist. Mein Körper wird zwar ziemlich sicher als Pflanzendünger enden, aber nicht ich, nicht mein Leben. Weil eben Jesus von den Toten auferstanden ist, kann auch mein Leben nicht im Tod bleiben, hat der Tod sein Anrecht auf mich verloren

.

Nunmehr liegt der Tod gebunden, von dem Leben überwunden, wir sind seiner Tyrannei, seines Stachels quitt und frei. Nunmehr steht der Himmel offen, wahrer Friede ist getroffen. Halleluja. Halleluja

Mein Körper wird nach meinem Tod nicht wiederhergestellt. Der ist und wird ein Madensack, wie Martin Luther mal so treffend gesagt hat. Aber ich, mein Leben, das ist mehr als mein Körper. Es geht also nicht um die Auferstehung der Körper, sondern mein Lebensfaden wird nicht abreißen, wird - von Jesus gehalten - durch den Tod hindurch ins ewige Leben reichen. Seit Jesus auferstanden ist, bedeutet der Tod nicht mehr das Ende meines Lebens. Der Tod ist gebunden, wie es Ernst Christoph Homburg gedichtet hat und weil das so ist, steht mir und Ihnen der Himmel offen. Das ist sehr tröstlich. Ich muss mich nicht mehr verrückt machen, muss nicht versuchen, alles in dieses Leben hineinzupacken, kann irgendwann auch meinen Körper einfach loslassen; denn: das Leben geht immer weiter, meins und Ihr’s, immer weiter, unaufhörlich. Ohne Ende. Ewig. Unser Gott ist der Gott des Lebens. Er hat die Grenze, die uns der Tod unserem Leben setzen will, durchlässig gemacht. Wenn das kein Grund zur Freude ist!

Alle Welt sich des erfreut, sich verjünget und erneuet; alles, was lebt weit und breit, leget an sein grünes Kleid. Ja, das Meer vor Freude wallet, Berg und Tag weithin erschallet: Halleluja. Halleluja.

Angaben zur Musik:
Jesus, unser Trost und Leben;
1) Text: Ernst Christoph Homburg; Melodie: Halle 1714; Satz: Ralf Popken.
Es singt das Wilhelmshavener Vokalensemble unter der Leitung von Ralf Popken.
2) Orgelbearbeitung: Albert Behrends.
Edition Chrismon: „Erschienen ist der herrlich Tag“

Audiobeitrag Jesus, unser Trost und leben


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