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Schuld sind (nicht) die Anderen
Kaum bin ich in seiner Nähe, passiert es: Mein Puls geht hoch, meine Knie werden weich und ich kriege kein Wort heraus.
Mein gesamter Körper gerät in Aufruhr beinahe so, als wäre ich verliebt. Bin ich aber nicht. Ganz im Gegenteil. Ich kann seine Gegenwart einfach nicht mehr ertragen.
Sein Gesichtsausdruck spricht für sich selbst. Sein Blick ist voller Misstrauen, die Mundwinkel weit heruntergezogen. Es stimmt schon er hat so einiges erlitten. Vier Trennungen innerhalb weniger Jahre. Der Versuch, eine Ich-AG aufzuziehen, ist gescheitert.
Was ihm sicher gut täte, wären Menschen, die Geduld mit ihm haben. Die mit aushalten. Aber die Zahl derer, die sich darauf einlassen, nimmt immer weiter ab. Mich eingeschlossen. Und das hat einen Grund.
Er hat sich nämlich in eine Opferrolle hinein gelebt. Wer sich nicht in dieses System einfügt, ist automatisch sein Feind. Wer nicht anerkennt, dass ausschließlich die Verhältnisse schuld sind an seiner Situation, ist automatisch gegen ihn. Sagt er. Dieses Täter-Opfer-Spiel will ich nicht mehr mitmachen. Damit wäre keinem von uns beiden geholfen. Ein Opfer zappelt an Fäden, an denen andere ziehen. So soll mein Leben nicht aussehen. Und deshalb übernehme ich jetzt Verantwortung für mich selbst und ziehe mich zurück. Denn das ist jetzt das Richtige für mich.
Sprecherin: Christiane Birgden
Schuld sind (nicht) die Anderen
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