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Tierisch menschlich
Meine Nachbarin liebt Katzen. Ich auch. Was mich aber nervt, das ist ein Satz, den sie immer wieder sagt, dass Tiere die besseren Menschen sind.
Er ist einfach falsch. Ich bin mir sicher, wenn mein Kater größer und stärker wäre als ich würde er mir die Kehle durchbeißen und mich auffressen wie eine Maus. Ich frage mich jedoch, was steckt dahinter, dass jemand sagt, dass Tiere die besseren Menschen sind?
Hängt es damit zusammen, dass Tiere keine Widerworte geben und sich dem Stärkeren unterordnen? Oder hängt es damit zusammen, dass Tieres sich mit wenig Zuwendung zufrieden geben? Ich glaube, hinter diesem Satz stecken einfach unglaublich viel Verbitterung und Frust.
Schlechte Erfahrungen mit anderen habe ich auch schon gemacht. Enttäuschung, Wut, Verletzung sie gehören zu meinem Leben, wie bei anderen auch. Aber eins muss mir klar sein: ich bin auch einer von den anderen. Ich bin nicht besser als sie. Ich habe selber schon andere enttäuscht, wütend gemacht, verletzt. Ich bin weder ein Unschuldslamm und das arme Opfer noch bin ich der böse Wolf, der anderen nachstellt. Ich bin ein Mensch mit Stärken und Schwächen. Gut und böse; fröhlich und traurig. Und wenn meine Nachbarin das nächste Mal kommt und sagt, dass Tiere die besseren Menschen sind, werde ich sagen: Nein, aber unser Leben ist manchmal tierisch menschlich.
Sprecherin: Christiane Birgden
Tierisch menschlich
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