Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

26.03.07, 6.56 Uhr, Pastor Christoph Neumann

Die geschenkte Stunde

Ab heute ist wieder Sommerzeit. Deshalb hat man uns in der vergangenen Nacht eine Stunde genommen. Seit fast drei Jahrzehnten haben wir nun schon diese Zeitumstellung.

Manchem von uns mag der fehlende Schlaf noch in den Gliedern stecken. Allerdings bekommen wir diese Stunde aus der Nacht ja für den Tag wieder geschenkt. Denn die Tage werden dadurch länger.

Man kann trefflich darüber diskutieren, ob das sinnvoll war, Sommerzeit und Winterzeit einzuführen. Die Überlegungen dazu waren ja eine Nachwirkung aus der Zeit der Ölkrise in Deutschland. Man war damals der Überzeugung, mit dieser Regelung durch die bessere Nutzung des Tageslichtes Energie zu sparen. Dass wir sparsam mit der Energie umgehen müssen, das ist uns in der letzten Zeit wieder sehr stark ins Bewusstsein geraten. Ob da eine Stunde mehr Tageslicht ein besonderer Spareffekt ist, weiß ich nicht. Ich jedenfalls freue mich darüber, dass die Tage dadurch etwas länger sind. Dass es abends länger hell ist. Und wenn die warmen Sommertage kommen, kann ich länger auf der Terrasse sitzen und die Kinder können länger draußen spielen.

Wer gut schläft, der mag sich darüber ärgern, dass er in der vergangenen Nacht eine Stunde weniger schlafen konnte. Vielen Menschen jedoch ist ein gesunder Schlaf nicht geschenkt. Die Nacht ist ja nicht nur eine Zeit der Erholung und des Schlafes. Viele Menschen müssen auch nachts arbeiten. Und gegen den Schlaf ankämpfen. Andere wiederum leiden an Schlaflosigkeit Und sehnen sich danach, dass die Nacht vorbei ist. Schmerzen und Probleme empfinden wir im Dunkeln und in der Stille der Nacht besonders stark.

Von diesen Nächten können wir nicht einfach eine Stunde durch ein Gesetz von oben wegnehmen. Aber das wäre doch was, wenn es eine Regierung gäbe, die. uns von diesen Nachtstunden eine wegnehmen könnte. Die Nachtstunden von Leid und Schlaflosigkeit. Die dunklen Zeiten von Schwierigkeiten und Not.

Als Christ glaube ich, dass es eine solche Regierung gibt. Die sitzt noch ein paar Etagen höher als eine Bundesregierung. Als Christ glaube ich, dass Gott “im Regimente“, also in der Regierung sitzt, wie es in einem Kirchenlied heißt.. Und dass er die Zeit gemacht hat. Die Jahreszeiten, wie den Frühling, der in der letzten Woche begonnen hat. Und den Sommer. Er hat allen Zeiten, auch den dunklen Zeiten eine Grenze gegeben.

Und mit Jesus Christus hat er eine neue Zeit eingeführt. Gott hat ihn dazu ermächtigt. Wir zählen unsere Zeiten nach der Geburt Jesu Christi.

Seitdem haben wir eine Hoffnung. Gott hat eine neue Zeit zugesagt, auf die wir noch warten. Das letzte Buch der Bibel erzählt in geheimnisvollen Bildern von dieser Zeit. Gott selbst wird dafür sorgen, dass es keine Nacht gibt. Und keine Tränen und kein Leid. Und keine Energieprobleme. Wie Gott das machen wird, weiß ich nicht. Das ist mir ziemlich rätselhaft.

Aber wenn jetzt die Tage länger sind, soll mir das ein hoffnungsvolles Zeichen für diese letzte Zeitumstellung sein.

Audiobeitrag Die geschenkte Stunde


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