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Glückende Niederlagen
Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen. So resümiert einer im Rückblick auf eine schwere Strecke seines Lebens.
Von eigenen Leuten verraten und verkauft. In ein fremdes Land verschleppt. Intrigen. Verführung und Gefängnis.
Sind solche Zeiten verlorene Zeiten? Sind Gefangenschaft, Leid und Verfolgung Orte letzter Sinnlosigkeit, in denen wir anderen Menschen hoffnunglos ausgeliefert sind? Oder kann es sein, dass sich auch in solchen Zeiten die Hoffnung versteckt? Gibt es so etwas wie geglückte Niederlagen? Enttäuschungen, die sich wandeln zu Hoffnungen? Hoffnungen freilich, über die wir erst im Rückblick dankbar sein können.
Josef, so heißt der Mann, der diese Bilanz zog, erlebte eine merkwürdige Wende. Gerade in der Gefangenschaft wandelte sich sein Lebensweg von der Aussichtslosigkeit zu einem neuen Anfang. Josef erlebte, dass gerade in der tiefstens und schwersten Zeit seines Lebens nicht nur Menschen über sein Leben bestimmten, sondern eine unsichtbare und stärkere Hand im Spiel war. Die Geschichte dieses Mannes liegt weit zurück. Sie wird uns in der Bibel erzählt.
Einer, der heute noch lebt und eine ähnliche Geschichte zu erzählen weiß, ist Samuel Volz. Der 86-jährige hat auch eine Zeit erlebt, die ziemlich hoffnungslos war. Die Kriegswirren des zweiten Weltkrieges. In ein fremdes Land gebracht. Als Soldat in Russland. Kurz bevor er in Gefangenschaft geriet, hatte er ein paar nagelneue Stiefel erhalten. Mit denen konnte man, - so meinte er, in diesen Zeiten weit kommen. Doch dann kam das Unvermeidliche. Die russischen Offiziere filzten die deutschen Gefangenen. Alles, was sie noch an wertvollen Gegenständen bei sich trugen, wurde ihnen genommen. Da waren auch die nagelneuen Stiefel eine willkommene Beute. Der Offizier befahl mir, -so erzählt er, die Stiefel auszuziehen und bot mir stattdessen seine Schuhe an. Die waren alt. Abgenutzt und viel zu groß. Deshalb waren sie innen mit Heu ausgestopft. Und stanken nach Schweiß. Nun verlor ich meine neuen Stiefel und mit ihnen meinen letzten Rest Mut. Mir erschien alles aussichtslos.
Doch es sollte anders kommen. Kurze Zeit später mussten wir marschieren. Tage lang. Nächte lang. Und plötzlich erwiesen sich die alten, stinkenden und viel zu großen Schuhe als Segen. Die tagelangen Märsche konnte ich ohne Wunden und Blasen an den Füßen überstehen. Andere Soldaten bekamen Probleme mit ihren Stiefeln.Vor allem die mit den neuen. Sie erreichten das Ziel nur unter großen Qualen und Schmerzen.
Im Rückblick erkenne ich, so Samuel Volz: Selbst in enttäuschenden Erfahrungen in denen ich nur Verlust und Sinnlosigkeit erkannte, schlummerte doch schon eine versteckte Hoffnung. War doch noch eine andere Hand am Werk.
Sicher. Das, was ein Samuel Volz erlebte, können wir wohl erst im Rückblick erkennen. Aber mir macht diese Geschichte Mut. Mut zu vertrauen. Darauf zu vertrauen, dass Gottes Hand mich auch dann führt, wenn ich nur Menschen am Werk sehe, die alles andere als gute Absichten haben. Zu vertrauen, dass Gott gute Absichten und Pläne für mein Leben hat.
Glückende Niederlagen
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