Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

30.03.07, 7.50 Uhr, Pastor Christoph Neumann

Die Sandburg

Bald sind wieder Osterferien. Zeit, um Urlaub zu machen. Zum Beispiel Urlaub am Meer mit den Kindern. Die haben den ganzen Tag am Strand eine Sandburg gebaut.

Sie haben geschaufelt. Sand geschleppt. Wasser für den Burggraben herbei geholt. Muscheln gesammelt und Steine gesucht für die Turmanlage. Aus Strandhafer einen Zaun gebaut und mit Blättern Dächer gedeckt.

Dann ist es Abend geworden. Es ist Zeit, die Sachen zu packen. Und nach Hause zu gehen. Da passiert etwas Merkwürdiges. Nachdem sie irgendetwas getuschelt haben, springen sie plötzlich lachend und tobend auf der Burg herum. Zerwühlen den Burggraben und zerstören die Turmanlage. Und haben dabei auch noch großen Spaß. Wir Eltern sind irritiert: „Was macht ihr denn da? Warum macht ihr denn alles wieder kaputt? Ihr habt euch doch so viel Mühe gegeben!“

Die Antwort überrascht uns: „Die Burg wäre doch sowieso wieder kaputt gegangen. Entweder trampeln andere Kinder oder Erwachsene darauf herum. Und wenn unsere Burg nicht von anderen Leuten kaputtgemacht wird, dann zerstört die nächste Flut wieder alles. Da haben wir uns überlegt, dass wir sie halt selber wieder kaputt machen“

Also, ich fand das schade  Ich finde es ja erstaunlich, wie kreativ Kinder sein können. Was sie mit ein paar Steinen, Hölzern, Muscheln und Sand zustande bringen. Und wie viel Ausdauer sie beim Spiel haben können. Eine ganze Reihe von kleinen Kunstwerken haben wir deshalb von unseren Kindern aufbewahrt.  Bilder, Figuren aus Kieselsteinen und Roboter aus Blechdosen.

Auf der anderen Seite haben sie ja Recht. Eine Sandburg ist nun einmal ein sehr vergängliches Gebilde. Und oft genug gibt es kleine und große Leute, die offenbar nur darauf warten, etwas wieder kaputt zu machen, was andere mit viel Mühe aufgebaut haben. Und das ist nicht nur bei Sandburgen  im Urlaub an der See so.

Wieviel Mühe geben wir Erwachsene uns, um uns mit den Möglichkeiten, die wir haben etwas im Leben aufzubauen. Da rackern wir uns ab. Schaffen Tag für Tag, um uns, - wenn auch keine Burg, so doch vielleicht ein gemütliches Zuhause aufzubauen. Ein andere baut an seiner Karriere oder bastelt sich mit viel Disziplin und Ehrgeiz ein künstlerisches oder musikalisches Lebenswerk zusammen. Aber irgendwann wird es auch in unserem Leben Abend. Und wir merken: Lange können wir nicht mehr bleiben.

Sicher, was wir uns in unserem Leben aufbauen, mag schon etwas länger halten, als eine Sandburg am Strand. Und trotzdem. Wie oft erleben wir es, dass das, was sich jemand ein ganzes Leben lang erarbeitet hat, schon wieder von seinen Erben zerpflückt wurde, obwohl die Blumen auf dem Grab noch nicht einmal verwelkt sind.

Da können die Kinder am Strand mir helfen, etwas gelassener und fröhlicher mit dem umzugehen, was wir Erwachsene uns im Leben aufbauen.

Die Weisheit der Bibel bringt es an einer Stelle auf den Punkt:“ Nur was Gott macht, hält ewig. Was wir aufbauen ist Haschen nach Wind. Deshalb merkte ich, dass es nichts Besseres gibt, als fröhlich zu sein und sich gütlich zu tun im Leben“. Im Wissen, dass wir eines Tages bei Gott ein zuhause haben.

 

Audiobeitrag Die Sandburg


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