Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

31.03.07, 5.56 Uhr, Pastorin Sabine Steinwender-Schnitzius

Sara

Über Emma wird viel geredet. Nicht über die Emma, Alice Schwarzer und so. Obwohl die bestimmt auch ein bisschen daran schuld ist.

Daran dass Emma, heute 40,  Personalchefin ist und keine Kinder hat. Emma ist so etwas wie ein Klassiker der 60ger Jahrgänge. Sie hat studiert – ohne zu wissen, was sie werden will. BWL – etwas Vernünftiges – das wollten ihre Eltern. Emma war das egal. Sie hat ohnehin wenig studiert, viel demonstriert, gejobbt und gefeiert. Irgendwann hat sie dann doch Examen gemacht. Da war sie schon Ende zwanzig.

Nun kam die Zeit der Praktika bis sie schließlich Trainee wurde, eine intern Auszubildende in einem bekannten Unternehmen. Was folgte, waren befristete Arbeitsverträge. Mit 35 hatte sie es endlich geschafft: Ihre Stelle war unbefristet. Jetzt hieß es, ranklotzen, sich etablieren, zeigen, was frau kann. Sie wollte ernst genommen werden – auch von den Männern. Das kostete jede Menge Zeit und Nerven und schließlich die Partnerschaft/Beziehung.

Heute ist Emma 40 und gehört zu den 60 Prozent der Akademikerinnen, die keine Kinder haben. Kein Wunder – wie ich finde. Emma ist keine Ausnahme. Viele Frauen, die ich kenne, haben so oder ähnliche Erwerbsbiographien.

Über sie wird in diesen Tagen viel geredet. Warum das so ist und dass sich das ändern soll. Möglichst schnell. Deshalb gibt es jetzt Elterngeld und bald auch Hortplätze für unter 3-jährige. Nur - das allein wird - nicht reichen. Was diesen Frauen fehlt ist der Mut, schwanger zu werden, in einer Gesellschaft, wo 35-jährige als spät gebärend gelten. Von wem keine Rede ist in diesen Tagen und wer ihnen wirklich Mut machen könnte ist Sara: eine spät gebärende Urahnin - von der die Bibel erzählt.

Sprecherin: „Eines Tages besuchten Gott und zwei Männer  Abraham und Sara. Wo ist deine Frau?, fragt Gott. Die ist im Zelt, antwortet Abraham und bereitet das Essen.  Da spricht Gott, der Herr: In einem Jahr werde ich wiederkommen, dann werdet ihr einen Sohn haben. Als Sara, das hörte, musste sie lachen, denn sie und Abraham waren alt und ihr ging es schon lange nicht mehr nach der Frauen Weise. Als Gott, der Herr, aber ihr Lachen hörte, sprach er: Warum lacht Sara und glaubt nicht, dass sie gebären wird? Sollte dem Herrn etwas unmöglich sein?“ Gen 18

Ein Jahr später wurde Isaak geboren, was soviel heißt, wie „Gott hat mir ein Lachen geschenkt.“ Das Lachen hat Sara befreit – sie erlöst aus der Starre ihrer Seele. Sie war wieder im Fluß, hat losgelassen und darauf vertraut, dass nicht sie, sondern Gott die Macht über Leben und Tod hat. Allein er entscheidet, was früh oder spät oder überhaupt nicht gebärend ist. Denn Gott sagt: Sollte dem Herrn etwas unmöglich sein? Isaak – mögest du noch viele Brüder und Schwestern bekommen, von vielen, älteren Frauen, die beschlossen haben, sich selbst, dem Leben und Gott zu vertrauen.

Audiobeitrag Sara


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