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Es sollte schön sein, alt zu sein
Es sollte schön sein, alt zu sein, voll des Friedens, der aus der Erfahrung stammt, und voll der Falten reifer Erfüllung.
Das faltenreiche Lächeln der Vollkommenheit, das die Folge eines Lebens ist Das gelebt wurde furchtlos und unverbittert von Lügen.
Und ein Mädchen sollte sagen: Es muss wunderbar sein zu leben und alt zu werden. Schau auf meine Mutter, wie erfüllt und voll Frieden sie ist. Und ein junger Mann soll denken: Bei Gott, mein Vater hat allen Stürmen getrotzt; das ist ein Leben gewesen.
Es sollte schön sein, alt zu sein.... Das schrieb der englische Lehrer und Schriftsteller David Herbert. Lawrence. Er ist nicht alt geworden. Lawrence litt unter Tuberkulose, starb 1930 im Alter von nur 44 Jahren.
Als ich das Gedicht zum ersten Mal las, hab ich spontan gedacht: Ja, das ist es! Ein langes Leben in Gesundheit und Aktivität. Lebenserfahrung, die zu einer Weisheit reift, die mir und den Menschen um mich herum Frieden schenkt, ja, das ist es. Und ich habe spontan an meine Großeltern gedacht, 84 und 89 Jahre alt, die für mich genau das verkörpern. So wünsche ich mir auch alt zu werden. Zufrieden und friedlich.
Meine Oma ist im letzten Monat gestorben. Ganz plötzlich, im hohen Alter, mitten im Leben.
Heute lese ich das Gedicht von Lawrence mit anderen Augen.Es ist schön, alt zu werden. Es ist schön, bei Gesundheit zu bleiben. Es ist schön, 84 Jahre lang mitten im Leben zu stehen und teilzunehmen. Aber es tröstet nicht. Der Schmerz, sich verabschieden zu müssen, der Schmerz, loslassen zu müssen, bleibt der gleiche.
Sei doch froh, dass sie ein langes Leben gehabt hat. Klar bin ich das. Aber ich hätte sie gerne noch ein paar Jahre hier gehabt. Und ich bin mir sicher, sie hatte auch noch was vor....
Lawrence irrt, ein langes und gesundes Leben macht das Abschied nehmen nicht leichter. Nicht für den, der geht und nicht für den, der zurückbleibt. Das habe ich in den letzten Wochen gelernt. Eine trostlose Perspektive? Was tröstet denn dann?
Alles, was auf Erden geschieht, hat seine Zeit, seine von Gott bestimmte Zeit heißt es in der Bibel beim Prediger Salomons. Was mich tröstet, ist der Glaube daran, dass es im Weltenlauf und im Leben und Sterben einen Sinn gibt, selbst wenn ich ihn nicht erkennen oder benennen kann.
Auf der Todesanzeige meiner Oma stand ein Vers, der ihr wichtig war. Ein Gedicht des Theologen und Dichters Franz von Assisi:
Oh Herr, in deinem Arm bin ich sicher. Wenn du mich hältst, habe ich nichts zu fürchten. Ich weiß nichts von der Zukunft, aber ich vertraue auf dich.
Das tue ich auch. Schöne Grüße Oma, wo auch immer du gerade bist.
Es sollte schön sein, alt zu sein
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