Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

12.03.07, 8.56 Uhr, Albrecht Philipps

Paul Gerhardt

Der große Tröster der Christenheit, hat man ihn einmal genannt. Heute vor 400 Jahren wurde er geboren, Paul Gerhardt. Von ihm, seinen Gedichten und seinen Liedern will

ich Ihnen in dieser Woche erzählen und Ihnen damit diesen Menschen und seine Zeit näher bringen. Wie er dachte, was er glaubte und hoffte.
Einmal schreibt Paul Gerhardt:

Sprecherin:
Schwing dich auf zu deinem Gott,
du betrübte Seele!
Warum liegst du, Gott zum Spott,
in der Schwermutshöhle?

Das ist wie ein Motto für diesen Dichter und für seine schönen Lieder. Mit ihnen will er sich zu Gott hinauf schwingen. „Du betrübte Seele“, so spricht er zu sich selbst. Denn das kannte er: Angst und Schwermut haben ihn oft gequält, haben ihn nach unten gezogen. Seine Lebensumstände und seine Zeit waren nicht leicht. Wie einem betrübten und schwermütigen Menschen zumute ist, das weiß er. Gerade deshalb aber gibt er anderen Menschen, die heute solche Erfahrungen machen, mit seinen Lieder die Gewissheit: Hier spricht jemand über seinen Glauben an Gott, der die seelische Not kennt, einer der auch selbst betroffen ist. Deshalb sind seine Lieder echte Trostlieder. Für Paul Gerhardt war es allerdings wie ein Spottlied auf seinen Schöpfer, Gott zum Spott, wenn die Seele nur nach unten blickt, verharrt in Depression und Schwermut. Denn der Glaube ist für ihn vor allem etwas, das den Menschen aus seiner Schwermut, aus der Depression hinausführen will. Der Glaube macht den Menschen frei, löst, was uns nach unten ziehen will und führt uns hinauf zu Gott.

Als Paul Gerhardt aufwächst und später in Wittenberg Theologie studiert, herrscht in Deutschland der 30jährige Krieg. Immer wieder spürt er die Folgen dieses Krieges in seinem Leben. In seiner sächsischen Heimat wüten in dieser Zeit schwedische Truppen und verwüsten das Land. Auch Wittenberg wird in Schutt und Asche gelegt. Aus diesem Anlass sind wahrscheinlich seine ersten Lieder entstanden.
Als er ungefähr 35 Jahre alt ist, geht Paul Gerhardt als Hauslehrer nach Berlin. Hier lernt er seine Frau kennen. Sie bekommen fünf Kinder, aber nur der Sohn Paul Friedrich wird die Eltern überleben. Der frühe Tod der Kinder hat beide sehr geprägt.
Als er schon 44 Jahre alt ist, erhält er seine erste Pfarrstelle in Mittenwalde in der Mark Brandenburg. Zuvor war er in Berlin auf die Rechtgläubigkeit hin examiniert und ordiniert worden. Rechtgläubigkeit, Orthodoxie nennt man das, das war damals innerhalb der evangelischen Kirche wichtig. Vom Glauben sollte richtig gelehrt und richtig geredet werden, damit der Glaube lebendig bleibt.
Weitere berufliche Stationen folgen in Berlin und später in Lübben, einem abgelegenen Ort in der Niederlausitz. „Erprobt im Sieb des Satans“, so wird man später dort in Lübben über ihn schrieben. In der Kirche hängt heute noch sein Bild. Darunter eben dieser Satz. „Erprobt im Sieb des Satans“.

Mit den vielen Liedern, die er uns hinterlassen hat, hat er gegen das Böse, das er erlebt hat, angesungen. Seine Seele konnte aus der Schwermutshöhle herauskriechen. Er hat durch seine Lieder die Gegenwelt des Glaubens stark gemacht und dadurch hat er seine Welt ertragen und geprägt. Seine Lieder enthalten das bis heute, wie ein Samen, der aufgehen kann.

Audiobeitrag Paul Gerhardt


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