Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

13.03.07, 8.56 Uhr, Albrecht Philipps

Du meine Seele singe

Paul Gerhardt, der protestantische Liederdichter des 17. Jahrhunderts, hat viel Leid in seinem Leben durchmachen müssen. Schon während seiner Schulzeit wütete in Sachsen die

Pest. Viele seiner Mitschüler sind damals gestorben. In den Wirren des 30jährigen Krieges wurden auch seine Heimat und sein Elternhaus zerstört. Er musste den Tod fast aller seiner Kinder miterleben und durch den Streit mit seinem Landesherren wurde er schließlich auch noch seines Amtes enthoben.

Vielleicht sprechen gerade deshalb seine Lieder von dem großen Trost des Glaubens. Er hat mitbekommen, wie sehr die Härten des Lebens einen Menschen prägen können. Und so schaut er auf die Treue Gottes und auf seine Verheißungen. Das wird ihn vor Verzweiflung und vor Hoffnungslosigkeit bewahrt haben.

Singen war für ihn und auch für die Menschen seiner Zeit selbstverständlich. Man sang im Familienkreis und bei der Arbeit, man sang mit Kindern und am Sterbebett. Singen machte Mut und gute Laune. Singen war Hoffnung - auch angesichts des Todes. Heute sind wir von Musik umgeben, ja werden von ihr überschüttet. Aber wer singt noch selbst oder mit anderen? Viele Menschen meinen, sie könnten gar nicht singen, obwohl sie es nie wirklich probiert haben.

Paul Gerhardts Lieder sind zum singen da. Und singen ist für ihn, Gott loben. Um dieses Lob geht es in fast allen Liedern Paul Gerhardts. Vielleicht am schönsten in folgendem:

Sprecherin:
Du meine Seele, singe,
wohlauf und singe schön
dem, welchem alle Dinge
zu Dienst und Willen stehn.
Ich will den Herren droben
hier preisen auf der Erd’;
ich will ihn herzlich loben,
solang ich leben wird.

Im Loben verbindet sich der Mensch mit Gott. Der „Herr droben“ und unser Leben „hier auf der Erd’“ werden zu etwas gemeinsamen. Paul Gerhardt wollte, dass auch die Menschen, die nicht in der Bibel lesen konnten, mit den biblischen Aussagen über Gott und über das Leben bekannt und vertraut gemacht wurden. Deshalb hat er biblische Texte, wie hier den Psalm 146, zu Liedern gemacht.

Sprecherin:
Wohl dem, der einzig schauet
nach Jakobs Gott und Heil!
Wer dem sich anvertrauet,
der hat das beste Teil,
das höchste Gut erlesen,
den schönsten Schatz geliebt;
sein Herz und ganzes Wesen
bleibt ewig unbetrübt.

Also: Wer Gott vertraut, hat das höchste Gut gewählt. Denn wie schnell können sich die Verhältnisse ändern. Krankheit, ein Unfall, ein schwerer Schicksalsschlag. Das war damals nicht anders als heute. Das Leben des Menschen steht unter dem Zeichen der Vergänglichkeit. „Der Mensch muss wieder zu Erde werden, dann sind verloren alle seine Pläne“, so heißt es im Psalm 146, der Vorlage für dieses Lied.
Wenn ich mir Paul Gerhardts leidgeprüften Lebensweg anschaue, dann kann „unbetrübtes Herz“ doch nur heißen, in und trotz allem Leid eine tiefe Lebensgewissheit zu haben und zu vertrauen: mein Leben hat Sinn und mein Leben hat ein Ziel, das außerhalb meiner selbst liegt.

Sprecherin:
Hier sind die starken Kräfte,
die unerschöpfte Macht;
das weisen die Geschäfte,
die seine Hand gemacht:
der Himmel und die Erde
mit ihrem ganzen Heer,
der Fisch unzähl’ge Herde
im großen wilden Meer.

Audiobeitrag Du meine Seele singe


Druckversion

Suche

Sendungen der Woche

Sendungen am Sonntag

Sendungen im Fernsehen