Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

15.03.07, 8.56 Uhr, Albrecht Philipps

Der Sommergesang „Geh aus mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit“ gehört zu den beliebtesten Liedern von Paul Gerhardt.Das Lied hat 15 Strophen.

Paul Gerhardts Lieder sind keine kurzen Songs und nur selten werden heute noch alle Strophen gesungen. Da bräuchte man einen langen Atem und viel Zeit.

Dieses schöne Lied ist ein Gedicht auf die Natur. Sie ist Gottes Garten, in dem der Schöpfer sich verwirklicht hat. Einen Garten zu haben ist ein Geschenk, das uns immer wieder erfreut und überrascht. Wenn die Natur sich bald im Frühling entfaltet, wenn Blumen, Bäume und Sträucher blühen, wenn das Grün in seinen verschiedenen Farbtönen leuchtet. Dann öffnet sich auch das Herz. Beim Anblick der Blüten blühe ich selber auf. Meine Sinne werden wieder munter durch die vielen Eindrücke der Farben, durch die Stimmen der Vögel.

Paul Gerhardt hat 14 lange Jahre in Wittenberg Theologie studiert. Er ist in den Glaubensartikeln seiner Kirche zuhause. Mit seinen geistlichen Lieder hat er deshalb immer auch ein geistliches Ziel: Er möchte Glauben vermitteln und Glauben stärken. Die Hinweise, die Gott gibt, dass alles einen sinnvollen Zusammenhang hat, die sind doch unübersehbar! Der Dichter will, dass die Menschen die Gewissheit haben: Gott ist da, er ist erkennbar, und er führt mein Leben zu einem guten Ziel. Dafür gab es zur Zeit Paul Gerhardts, also vor 400 Jahren, einen - man kann sagen - theologischen Dreischritt. Und der findet sich auch in dem Lied „Geh aus mein Herz und suche Freud“ wieder:

Sprecherin:
Geh aus mein Herz und suche Freud
in dieser lieben Sommerzeit
an deines Gottes Gaben.
Schau an der schönen Gärten Zier
und siehe, wie sie mir und dir
Sich ausgeschmücket haben.

Der erste Schritt: Notitia.
Um den Glauben zu finden oder den Glauben zu stärken muss man Notiz zu nehmen. Aufmerksam sein. Zuerst soll der Mensch einmal nur zur Kenntnis nehmen, was Gott geschaffen hat. Er soll sich in der Natur umsehen. Er soll in ihr wie in einem Buch lesen. Dabei wird er manche Spur des Schöpfers entdecken.

Sprecherin:
Die Bäume stehen voller Laub
das Erdereich decket seinen Staub
mit einem grünen Kleide.
Narzissus und die Tulipan,
die ziehen sich viel schöner an
als Salominis Seide.

Das alles steht da für dich und für mich als ein Hinweis auf Gott. Wenn ich durch die Natur gehe, dann gehe ich durch Gottes Garten und muss mich fragen: Wer steckt da hinter, wer hat das alles so geschaffen und so weise geordnet?

Der zweite Schritt: assensus
Das bedeutet Zustimmung. Ich stimme zu, dass es nicht nur meine Sinne erfreut, diese Schöpfung zu betrachten. Ich stimme als Mensch auch ein in das Lob Gottes, das die Schöpfung anstimmt. Sie lobt den, der hinter allem steht und darin verborgen ist. So heißt es in der 8. Strophe

Sprecherin:
Ich selber kann und mag nicht ruhn’,
des großen Gottes großes Tun´,
erweckt mir alle Sinnen.
Ich singe mit, wenn alles singt
und lasse, was dem Höchsten klingt
aus meinen Herzen rinnen.

Schließlich folgt auf die Zustimmung die fiducia, das Vertrauen.
Wer Gottes Schöpfung zur Kenntnis nehmen konnte, also mit dem Herzen sehen konnte, wer dann einstimmt in das Lob Gottes, dieser Mensch findet Vertrauen zu Gott.
So heißt es am Schluss des Liedes:

Sprecherin:
Hilf mir und segne meinen Geist,
mit Segen, der vom Himmel fließt,
dass ich dir stetig blühe.

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