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Wie gehts?
Na, wie gehts? Scheint ne unvermeidliche Frage zu sein, die man überall gestellt bekommt. Was sagt man dann? Geht so? Oder: Joot?
Oder wie man im Ruhrgebiet sagt: Muss. Auch wenns gar nicht stimmt und mir`s eigentlich schlecht geht?
Meistens halten wirs mit Wilhelm Busch:
Sprecher: Wer möchte diesen Erdenball noch fernerhin betreten, wenn wir Bewohner überall die Wahrheit sagen täten? Wir sagten uns fatales Zeug. Da lob ich mir die Höflichkeit, das zierliche Betrügen. Du weißt Bescheid, ich weiß Bescheid, und allen machts Vergnügen.
Autor Mir hats neulich mal Vergnügen gemacht, die Gegenfrage zu stellen: Willst Du wirklich wissen, wies mir geht? Und schon wurde aus dem unverbindlichen Smalltalk ein Gespräch. Ein Gespräch, zu dem wir uns verabredet haben, weil die Straßenbahn nicht der Ort war, die Wahrheit zu sagen.
Wie gehts uns denn heute? Das setzt den Fragen die Krone auf, die überflüssig sind und gar keine Antwort verdienen. Sie wird zum Glück nur noch selten gestellt. Aber ich hab schon von Patienten gehört, die darauf geantwortet haben: Wie es Ihnen geht, weiß ich nicht. Ich fühl mich ganz wohl. Und wer weiß, auch das könnte zu einem echten Gespräch führen zwischen Patient und Krankenschwester.
Ja, wir könnten den unverbindlichen Begrüßungsfloskeln eine Krone aufsetzen, die Krone echter verbindlicher Kommunikation. Wenn mir danach ist. Wenn die Situation danach ist, wenn Zeit dafür ist.
Jesus hat das häufiger gemacht. Zum Beispiel am Teich von Bethesda. Das war so ne Art Heilwasser, in das Kranke hinein stiegen, immer dann wenn es von unterirdischen Strömen in Bewegung geriet. Da hatte ein Gelähmter 30 Jahre lang gesessen. Vergeblich. Keine Chance für einen, der nicht gehen kann. Die anderen hatten sich immer vorgedrängt. Und wenn mal einer da war, der ihn zum Wasser trug, wars schon zu spät. Den sieht Jesus da sitzen. Er begrüßt ihn weder mit Guten Tag, mein Freund noch mit dem hebräischen Schalom, was ja durchaus sehr schön ist, weil es bedeutet: Friede sei mit dir. Aber auch das hatte er schon zu Genüge von den andern gehört. Nein, Jesus begrüßt ihn mit der Frage: Was willst Du? - Ach, Jesus, ich will gesund werden! Der Mann hatte keine Probleme, ehrlich zu sein. Er ließ sich gerne, liebend gerne von Jesus aus der Reserve locken. Mit einem guten wunderbaren Ende für ihn. Jesus heilt ihn von seiner Krankheit.
Auch anderen Menschen ist Jesus so begegnet: heilsam direkt, ohne Umschweife, ohne Austausch von Floskeln. Und hat sie so herausgefordert zu einem echten Gespräch. Nicht selten haben sie dabei ihr Herz geöffnet und sich Dinge von der Seele geredet.
Ich finde, wir tun das viel zu selten. Aus Höflichkeit? Wegen der Etikette? Oder weil wir doch lieber verbergen wollen, wies uns wirklich geht? Wie auch immer.
Anders als Wilhelm Busch in seinen Versen lob ich mir die Ehrlichkeit, die keine Lust hat am Betrügen. Du weißt Bescheid, ich weiß Bescheid, und dann ist es ein Vergnügen.
Gespräche, in denen wir uns öffnen, können überraschend vergnüglich und hilfreich sein. Manchmal geht das sogar in der Straßenbahn.
Wie gehts?
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