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Lachen hat seine Zeit
Der Kabarettist Jürgen Becker hat jüngst ein Lied geschrieben: »Ich bin so froh, dass ich nicht evangelisch bin«. Er findet, die Evangelischen sind einfach zu dröge
und unlustig. Da war er wohl noch nicht in Ostwestfalen-Lippe?! Hier können die Protestanten sogar lachen und Kabarett machen. Warum das? Da muss Pfarrer Jörg Deppermann nicht lange überlegen:
O-Ton: Och, so n bisschen über sich selbst lachen, das gehört schon dazu. Dass man wahrnimmt, dass man selbst manchmal so ne kleine Schießbudenfigur ist. Jeder macht ja Fehler, manches davon hat blöde Folgen, manche ärgern sich, aber es gibt doch oft Grund genug, dass man darüber lachen kann.
Seinen ersten großen Kabarettauftritt hatte Jörg Deppermann dann beim Jubiläum seiner Kirchengemeinde: nicht mehr in der Rolle des Vielredners, in der man ihn sonst kennt
O-Ton: Mir persönlich hats am meisten Spaß gemacht, in die Rolle des Hausmeisters zu schlüpfen. So diesen grauen Kittel überzuziehen, so richtig dröge, ohne viel Worte da rumzukehren, bisschen Stühle aufzustellen so ganz anders als sonst (lacht), als sonst die Rolle, die ich sonst habe.
Das Publikum hat am Boden gelegen. »Wir wussten gar nicht, dass der so lustig sein kann«, lauteten die Reaktionen hinterher. Ein zweifelhaftes Kompliment, wie Pfarrer Jörg Deppermann findet.
O-Ton: Das finde ich n traurigen Satz. Ich hab mir überlegt, ob ich jetzt ein Jahr schweige oder so. Das hat mich irgendwie auch verwundert, weil ich immer denke, ich bin schon ehrlich im Auftreten und ich verbiege mich nicht und zeige nicht irgendwelche Masken vor. Aber irgendwie ist da vielleicht was schief gelaufen, weiß ich nicht so genau.
»Der«, der da auf einmal so lustig ist, ist normalerweise evangelischer Pfarrer in Blomberg, einer kleinen Stadt in Ostwestfalen-Lippe. »Der« steht normalerweise sonntags auf der Kanzel, konfirmiert Jugendliche, verheiratet Brautpaare, beerdigt die Toten. Passt das eigentlich zusammen, dass »der« nun in die Rolle des Hausmeisters schlüpft und sich über Gott und die Welt lustig macht?
O-Ton: Manche Situationen im Leben sind ja eher zum Weinen, die können einen sehr nachdenklich stimmen und ärgerlich machen oder einem die Tränen in die Augen treiben. Aber es ist dann auch gut, wenn man dann vielleicht so n bisschen den Abstand findet und so Häkchen hat, wo man sich festmacht und sagt: Ach, da möchte ich auch drüber lachen. Das tut auch gut, das entschärft die Sache. Man kann dann auch wieder freier und gelöster drauf blicken.
Alles hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde, heißt darum auch einer der weisesten Sätze in der Bibel. Weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit; geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit. Wie nah diese Dinge beieinander liegen und dass sie zusammengehören, erfährt man besonders in den Grenzsituationen des Lebens.
O-Ton: Es gibt seit vielen Jahren in vielen Krankenhäusern diese Clowns, die in die Kinderkliniken zum Beispiel gehen. Da sind Kinder, die schwerkrank sind, manche auch, die wissen, dass sie vielleicht sterben müssen. Das ist natürlich todtraurig. Und dann kommen diese ausgebildeten guten Leute dahin und finden an dieser Situation noch etwas zum Lachen. Das tut den Kindern gut, das ist für die Pflegenden gut, für die Familien wichtig; deswegen ist das Traurige ja nicht weg, aber es bekommt noch ne andere Farbe wieder.
Lachen bringt eine besondere Farbe ins Leben, gerade, wenn es dunkel ist. Man muss ja nicht zum Kabarettisten werden, aber: Nutzen Sie diese beste Gabe Gottes und machen Sie Ihr Leben bunt heute.
Lachen hat seine Zeit
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