Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

01.03.07, 6.56 Uhr, Pfarrerin Stephie Peschutter

Heute schon Gelacht?

HEUTE SCHON GELACHT? – Ein Tag ohne Lachen ist ein ziemlich verlorener Tag. Das ist zu einer gängigen Alltagsweisheit geworden, zu einem geflügelten Spruch.

Aber klingt das in Wirklichkeit nicht eher beschönigend oder sogar nach ungesunder Verdrängung? Was also, wenn mein Alltag überhaupt nicht so spaßig ist, wie ihn unsere Comedy- und Lach- Gesellschaft vielleicht gerne hätte? – Wir alle leben doch in einer Zeit der kurzen Witze und schnellen Lacher. Fast vergessen schon die Einsicht: Wer zuletzt lacht, lacht am besten.

Da könnte ein Ausflug ins Zelt von Sara ganz gut tun. Denn dort entdecke ich ein durchweg anderes Lachen. – Was für ein Zelt? Was für eine Sara? – Ich meine die uralte biblische Geschichte von Sara und Abraham; die beiden, die intensiv auf ein gemeinsames Kind hoffen, leider aber mittlerweile beide schon hochbetagt. (Rein biologisch betrachtet also ein Ding der Unmöglichkeit!) – Und da sitzen sie nun, immer das gleiche Bild, ruhen sich in der heißen Mittagssonne aus; jedoch keineswegs gemeinsam. Nein: Abraham vor dem Zelt und Sara im Zelt, als wenn sie sich ganz in ihr Schicksal ergeben hätten. (Wir kennen womöglich solche getrennten Schlafzimmer?!) Die Frau im Haus, der Mann draußen – ganz konventionell. Mehr passiert nicht. Wie tot, todtraurig und beklemmend. So leben sie vor sich hin, tagein, tagaus. Und plötzlich geschieht doch etwas:

„Und GOTT erschien Abraham im Hain Mamre, während er an der Tür seines Zeltes saß, als der Tag am heißesten war. Und als er seine Augen aufhob und sah, siehe, da standen drei Männer vor ihm. Und als er sie sah, lief er ihnen entgegen von der Tür seines Zeltes und neigte sich zur Erde.“

Abraham steht auf aus seiner Lethargie – und läuft los. In den tristen Alltag Abrahams kommt plötzlich buchstäblich Bewegung. Denn GOTT bewegt sich endlich zu ihm. Damit nimmt die Geschichte, in der Sara und Abraham ein Sohn verheißen wird, ihren Lauf. – Zugegeben: Erst ist Abraham etwas ahnungslos und weiß nicht, wen er da vor sich hat. Aber er bietet alles nur erdenklich Leckere auf, um seine Gastfreundschaft zu zeigen. Unbeholfen lässt er´s auftischen – von Sara nämlich, die sich bescheiden im Hintergrund hält. Dann wird ordentlich gezecht; bis den drei Herren der Schöpfung endlich auffällt, dass die entscheidende Person, die alles zubereitet hat, ja fehlt! – Also fragen sie nach ihr; wie immer sitzt sie allein im Zelt. Und als die drei Abraham dann ankündigen, dass Sara einen Sohn gebären wird, ist aus dem Zelt ein schallendes Lachen zu hören. Auf ihr Lachen angesprochen, verleugnet sich Sara. Da spricht schließlich GOTT selbst zu ihr: „Doch, du hast gelacht.“ – Und so endet die Geschichte.

Wir würden diesen Einwand GOTTes „du hast gelacht“ womöglich missverstehen, als wolle GOTT Sara hier kritisieren und abstrafen, weil sie sich darüber lustig gemacht hätte. Doch ganz im Gegenteil: GOTT bekräftigt Saras Lachen. – Dafür spricht nämlich, dass der Sohn am Ende Isaak genannt wird, was soviel heißt wie „GOTT lacht“.

Damit setzt GOTT noch eins drauf: GOTT ist es, der zuletzt lacht. Und wir wissen ja noch: Wer zuletzt lacht, lacht am besten. – Genau das ist die große Hoffnung vieler unterdrückter Frauen in PARAGUAY, die uns morgen zum Weltgebetstag einladen: also auch in dieses Zelt des Lachens letzten Endes... Mit denen zu lachen, die wirklich nichts mehr zu lachen haben.

Audiobeitrag Heute schon Gelacht?


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