Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

03.03.07, 8.56 Uhr, Pfarrerin Stephie Peschutter

Paraguay

PARAGUAY – das Land, aus dem gestern der Weltgebetstag der Frauen kam. Ein Land mit brutaler Vergangenheit; ein Land der krassen sozialen Gegensätze; ein Land, in dem Frauen

immer noch demonstrativ unterdrückt werden. – Was hat er gebracht: der Weltgebetstag? In über 170 Ländern wurde er von Frauen aus aller Welt gefeiert, die sich darin zu einer „Einheit in Vielfalt“ miteinander verbanden. „Unter Gottes Zelt vereint“ war das Motto.

Was aber bringt es, wenn zum Beispiel wir deutschen Frauen in fremde Rollen springen und in Kirchen Texte über Schicksale verlesen, die nicht unsere sind – sogar weit davon entfernt?

„Ich bin eine lateinamerikanische Frau, Kuñaite – und trage das Keimen des Samenkornes in mir. Kuñaite, Kuñaite! Schreie hinaus die Klage von Mutter Erde, von Männern versklavt, zertrete die Unterdrückung, die unser Land vergewaltigt, sammle die Tränen und den Glauben, vereine Leib, Seele und Geist, Kopf und Herz, Kuñaite, Frau! Ich bewahre meinen Traum, gehe auf die Straße, muss erwachsen werden. Ich bin ein Straßenkind, muss überleben. Schwarzes Mädchen, voller Armut, die Zukunft kenne ich nicht, aber dem Kampf habe ich mich verschrieben, Kuñaite, Frau! Bin wandernde, entwurzelte Mutter, im Nahkampf gegen den Hunger. Bin irgendeine Maria, ein Niemand, habe keinen Namen, aber doch bin ich die Maria meines Volkes, eine streitbare Gefährtin im befreienden Kampf, Kuñaite, Frau! Indigena, Fabrikarbeiterin, Näherin, Erzieherin, Tagelöhnerin, ausgebeutete Arbeiterin, ein Leben voller Leid. Frau und Mann, Schulter an Schulter – so ermutige ich das Volk, mache Geschichte. Ich glaube an den Sieg, Kuñaite, Frau!“

Vielleicht handelt es sich auch um eines der 20 Millionen Frauen-Schicksale Lateinamerikas – oft sehr junge Mädchen, die als Hausangestellte arbeiten. Durchschnittlich 84 Stunden pro Woche. Sie kommen meist vom Land, haben zudem wenig Bildung und sind ohne familiären Rückhalt der Willkür ihrer Arbeitgeber ausgeliefert. Viele werden diskriminiert, beschimpft, geschlagen oder gar sexuell missbraucht.

Stimmt, davon sind wir weit entfernt. Allein die durchschnittliche Wochenarbeitszeit klingt astronomisch. Und dennoch: Auch Frauen in Europa müssen sich immer noch vieles hart erarbeiten, was Männern einfach so zufällt. Töchter müssen sich in den Familien den Platz erkämpfen, der den Söhnen geschenkt wird. In der Ausbildung leisten sie oft mehr als ihre männlichen Kollegen und werden doch schlechter bezahlt. Arbeitgeber hier nehmen immer noch zu wenig Rücksicht auf Alleinerziehende. – Ein echter Ausgleich fehlt zwischen den Geschlechtern, zwischen arm und reich; die Lasten sind nach wie vor ungleich verteilt. – Überwiegend Frauen spielen die unscheinbaren Heldinnen des Alltags und reiben sich auf zwischen Kindererziehung, eigenem Job und Pflege der alten Eltern. Männer dagegen tun sich immer noch schwer damit, sie in all dem spürbar zu entlasten. Das ist auch deutsche Realität.

Auch bei uns sind überkommene Rollen immer noch umzuschreiben. Die fremde Geschichte aus PARAGUAY ist ein Teil unserer eigenen Geschichte. – Und zwar nicht nur, weil es hier wie dort deutschen Faschismus gab, den es immer noch zu bewältigen gilt.

Audiobeitrag Paraguay


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