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Guten Morgen!
GUTEN MORGEN! Gut geschlafen? Wie sind Sie heute früh aufgewacht? Mit einem guten Gefühl oder doch eher unausgeschlafen, unausgeglichen?
Und wenn letzteres der Fall sei, warum denn eigentlich unausgeglichen? Haben Sie etwa nicht genug Ausgleich im Leben? Gehören Sie nicht zu den ganz Ausgeschlafenen, die mit sich und der Welt im Lot sind?
Ausgleich ist das A und O macht ausgeglichen und ausgeschlafen.
Jetzt denken Sie bestimmt: Ach, welche Rolle spielt es denn, wie ich morgens gelaunt bin? Und ob das eine Rolle spielt! All das wäre einmal buchstäblich aufzurollen. Aber am besten von woanders her ganz woanders. Dieses Jahr einmal aus PARAGUAY. Daher kommt der aktuelle Weltgebetstag der Frauen mit dem Motto: Unter Gottes Zelt vereint.
Steigen Sie also für einige Minuten einmal aus Ihrem Alltag aus, um in eine völlig andere Rolle hinein zu springen. Kapieren Sie, wie sich das anfühlt, eine ganz andere zu sein. Mit einem ganz anderen Schicksal konfrontiert. Spielen Sie das doch einmal durch für sich. Stellen Sie sich vor, Sie stünden gerade vorne in einer Kirche, um den Text, der gleich folgt, selbst zu verlesen:
Sprecherin: Ich heiße Demetria und lebe auf dem Land. Schon als kleines Mädchen habe ich gelernt zu gehorchen. Ich wuchs in dem Glauben auf, dass ich Männern dienen muss, zuerst meinem Vater und meinen Brüdern, dann meinem Ehemann und meinen Söhnen. Weil ich nur ein paar Jahre in die Schule gehen konnte, kann ich kaum lesen und schreiben. So lebe ich und finde mich mit allem ab. Mein Mann bringt das Geld nach Hause und glaubt deshalb, dass er alles in unserer Familie entscheiden kann. So wie bei uns geht es in vielen Familien auf dem Land zu. Frauen sind nicht viel wert.
Zumindest dürften Sie sich nun informiert fühlen über ein typisches Schicksal einer Frau aus PARAGUAY. Oder steckt doch mehr hinter dem kurzen Rollentausch? Aber was geht Sie das an, das Schicksal, das Sie gerade gestreift haben? Betrifft es sie denn?
Im besten Fall reimen Sie sich zwischen den Zeilen zusammen, was Sie da nicht erfahren. Um dem ganz anderen Schicksal die eigene Stimme zu verleihen. Um eine Rolle zu spielen. Und in der Tat: Sie spielen eine Rolle! Ob Sie nun im Lot sind oder nicht: nämlich für jene Paraguayerin. Da ist irgendwo auf der Welt eine, die noch viel weniger Ausgleich im Leben hat als Sie selbst. Womöglich ist das sogar ein strukturelles Problem, weltumspannend. Ein kleiner Trost, vielleicht. Doch tröstlicher: Packen wir´s an! Endlich alle gemeinsam. Frauen dieser Welt. (Da ich doch weiß, wie Frauen ticken...)
Wir packen die Dinge doch erst an, wenn wir kapieren, dass es nicht mehr nur uns selbst betrifft. Unsere Bedürfnisse stehen oft hinten an. Also müssen wir uns austricksen. Stellen Sie sich vor, Sie täten es für andere und nicht nur für sich selbst: Gerechten Ausgleich schaffen. Spielen Sie die Rolle, die Ihnen angeboten wird jetzt am kommenden Freitag in einer Kirche Ihrer Wahl irgendwo auf der Welt!
Denn nicht umsonst heißt es passend zum Motto des paraguayischen Weltgebetstages bei Jes 54, 2: Mache den Raum deines Zeltes weit und breite aus die Decken deiner Wohnstatt; spare nicht! Spann deine Seile lang und stecke deine Pflöcke fest!
Guten Morgen!
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