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Ein Land ohne Sünde!
EIN LAND OHNE SÜNDE! Gibt es das irgendwo auf der Welt? Klingt ziemlich utopisch, jedenfalls nach europäischem Denken. Keine Sünde bedeutet: kein schlechtes Gewissen.
Keine falsche Demut. Kein geduckter Gang. Weder Reue noch Buße. Und leider auch kein PECCA FORTITER Martin Luthers (übersetzt mit SÜNDIGE TAPFER), das mir persönlich so lieb geworden ist: Ich bin in mich selbst verkrümmt und dennoch angenommen bei GOTT. Ich weiß, dass solange ich lebe, sündige ich auch.
Aber in einer Welt ohne Sünde wäre Christus umsonst den Tod am Kreuz für uns gestorben. Wo also leben Menschen ohne Sünde? Das lässt sich aktuell ganz leicht beantworten; daher kommt nämlich der Weltgebetstag der Frauen 2007: PARAGUAY. Dort leben Christinnen tatsächlich ohne jeden Begriff von Sünde, bedingt durch ihre indigene Kultur und Herkunft.
Ihre Spiritualität kennt keine Sünde; Menschen erleben sich einfach nur als angewiesen auf GOTTes Barmherzigkeit. In ihrer Sprache Guaraní kommt kein einziges Wort für Sünde vor. Und dies in einem Land wie PARAGUAY geprägt von sozialer Ungerechtigkeit und Schattenwirtschaft einerseits illegalen Millionengeschäften der Reichen, andererseits dem alltäglichen Versuch vieler, durch Kleinkriminalität zu überleben.
So symbolisiert das Titelbild zum Weltgebetstag mit der typisch paraguayischen NANDUTI-Spitze auch eher weniger zwischenmenschliche oder weltliche Verstrickungen im Sinne von Sünde, sondern jene immerwährende Anwesenheit GOTTes, die das bunte Treiben in diesem Land scheinbar duldet. Die NANDUTI-Spitze formt sich in immer wieder kehrenden Kreisen, geklöppelt in einem einzigen Garn. Kein Faden, der zwischendrin abreißt.
NANDUTI bedeutet Spinnen-Netz und steht für etwas Leichtes, Schwebendes vermutlich entgegen dem harten Alltag der meisten Paraguayerinnen. Entgegen der Realität ist die Rede von der roten Erde PARAGUAYS, die von Leidenschaft und Stärke erzählt, und vom klaren blauen Himmel, der sich über alle wölbt egal, ob arm oder reich.
Es entsteht ein Bild voller Hoffnung und Sehnsucht aus dem Land ohne Sünde; und die Hermeneutik des Verdachts lässt genau nur den umgekehrten Rückschluss zu:
Nichts ist verwoben, verflochten, verbunden, verschlungen zart, fein, durchsichtig, fragil dehnbar, stabil, strapazierfähig, unverzichtbar wie diese NANDUTI-Spitze.
Und am Ende bitten die Frauen aus PARAGUAY (selbst fast täglich Opfer von Sünde) doch um mehr als einfach nur um GOTTes Barmherzigkeit; in einem Gebet für kommenden Freitag heißt es da selbstkritisch:
Wenn wir sagen, dass wir nicht von GOTT getrennt sind, betrügen wir uns selbst und die Wahrheit ist nicht in uns. Wir vertrauen darauf, dass uns GOTT in seiner unendlichen Barmherzigkeit von unserer Schuld befreit und durch seinen Sohn Jesus Christus unsere GOTTesferne überwindet.
Sünde als das Getrenntsein von GOTT es tut gut, Sprache zu finden, um das Unrecht beim Namen zu nennen.
Ein Land ohne Sünde!
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