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Mitbringsel vom Weltjugendtag
Sechs Uhr morgens in der Turnhalle einer Kölner Schule. Wie immer war die Nacht viel zu kurz. Für Bistu aus Nigeria und die anderen 248 Pilger. Langsam quält er sich aus
seinem Schlafsack und fängt an zu packen. Zwar geht der Weltjugendtag noch bis morgen, aber die letzte Nacht will er auf dem Marienfeld schlafen. Da wo der Papst den Abschlussgottesdienst feiert. Liebevoll sortiert er seine Mitbringsel. Besonders stolz ist er auf die roten Pappschachteln mit den Latexprodukten. Gefühlsecht steht da, aber das weiß er nicht.
Es war am Mittwoch. Spät abends. Da haben sie in der Turnhalle ihrem Nachtlager- das alles einmal besprochen. Robin aus Canada, Martin aus Hamburg und Marcel aus Mexiko. Das mit dem Papst, dem Sex und den Gummis.
Endlich konnte er einmal offen sprechen. Über die Probleme in seiner Gemeinde. Da wird nämlich tagein tagaus gepredigt: Wenn ihr euch vor Aids schützen wollt, dann verzichtet auf Sex. Hebt euch auf für die Ehe. Natürlich halten sich da nicht alle dran. Und die Folgen sind katastrophal. Auch sein bester Freund ist jetzt HIV positiv.
Auch Kondome schützen vor Aids. Und er weiß es nicht erst seit Köln. Und es gibt sie, die Katholiken, die Kondome benutzen. So wie Marcel aus Mexiko. Ja, man darf sie benutzen, auch wenn man fromm ist. Zwar findet der Papst das nicht gut, aber Gott hat einen trotzdem lieb. Für Martin, den Protestanten aus Hamburg, war das sowieso alles kein Problem. Entscheidend sei doch nur wie man seine Freundin behandele.
Sechs Uhr morgens in Bonn. Auch Beena packt. Sie kommt aus Indien und ist katholisch. Darauf ist sie stolz. Selbstverständlich ist das nicht. Sie gehört zu einer unterdrückten und verfolgten Minderheit. Nur ein Prozent sind in Ahmadaba katholisch. Es ist die Hauptstadt von Gusharat dem Geburtsort des Friedensstifters Mahatma Ghandi. Anschläge auf ihre Kirche ist sie gewöhnt. Dem Terror versuchen sie zu entgehen. Bibelstunden sind geheime Treffen an geheimen Orten. Vor ein paar Jahren war Ahmadaba in den Schlagzeilen, als wütige Hindus 3000 Moslems ermordeten. Dass friedliche Nebeneinander verschiedener Religionen ist für Beena neu. Diese Erfahrung ist ihr Mitbringsel, vom Weltjugendtag aus dem Land der Reformation. Zu Hause will sie versuchen, ein Projekt ins Leben zu rufen. Für ein friedliches Miteinander der Moslems, Hindus und Christen.
Sechs Uhr morgens in Düsseldorf. Martin aus Hamburg schläft noch tief und fest bei seinem Kumpel aus alten Schultagen. Dass sie sich kennenlernten geschah direkt am Dienstag, bei der Eröffnungsparty. Jetzt liegt sie neben ihm, Maria aus Brasilien. Erzkatholisch ist sie und voller Lebens- und Glaubensfreude. So was kannte er bislang nicht. Der nüchterne Protestant. Aber irgendwie sind die alle so. Die aus Lateinamerika. Die tanzen sogar Samba im Gottesdienst. Was ihn noch mehr erstaunt hat: Maria hat sich mitten in der Altstadt segnen lassen. Von irgend so einem Ordensmenschen. Ihm wäre das peinlich gewesen.
Bekennermut und Glaubensfreude, den Glauben nicht zu verstecken, ihn vorzuzeigen wie ein kostbares Juwel, dass ist für Martin neu. Diese Erfahrungen nimmt er mit nach Hause, Mitbringsel vom Weltjugendtag, die für ihn genauso kostbar sind wie dieses wunderbare Gefühl frisch verliebt zu sein.
Mitbringsel vom Weltjugendtag
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