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Tante Elsbeth und der Rasensprenger
Als Kind hatte ich ein gelbes Poesiealbum und eine Tante namens Elsbeth.In dem Poesiealbum standen lauter lustige, ja abgedrehte Sprüche drin, wie zum Beispiel
In allen vier Ecken solln Pickel drin stecken oder Lass deinen Mund verschlossen sein, so schluckst du keine Fliege ein. Auch Tante Elsbeth war für ihre Sprüche bekannt. Bibelsprüche, die sie zu jeder passenden und unpassenden Gelegenheit zum Besten gab. Eines Tages gab ich ihr mein Poesiealbum, mit der Bitte sich dort mit einem Spruch zu verewigen.
Sie nahm diese Aufgabe gern und dankbar an. Etliche Wochen später erhielt ich mein Poesiealbum zurück. Ich war ein wenig verwirrt vielleicht sogar peinlich berührt, als ich den Spruch las, den Tante Elsbeth mit feiner Schrift hineingeschrieben hatte. Dort stand:
Jesus Christus spricht: Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von des Leibe werden Ströme lebendigen Wassers fließen.
Ja, halleluja, dachte ich damals, was solln mir diese Worte sagen. Mit diesem Spruch konnte ich als Kind gar nichts anfangen. Ich schob das Poesiealbum ins hinterste Regal und vergaß es.
Viele Jahre später dämmerte mir anlässlich eines Besuches in den USA, was Tante Elsbeth mit dem Spruch gemeint haben könnte.
Eine gute Freundin und ich waren dort zu Gast bei einer sehr gläubigen Christin. Wir sprachen über Gott und die Welt. Plötzlich bat uns die Frau nach draußen auf die Terrasse. Von dort aus hatte man einen tollen Blick über den sehr geschmackvoll angelegten Garten. Ich weiß es noch wie heute, ich bewunderte den makellosen Rasen und fragte mich insgeheim, wie sie es schaffte, den Rasen so gut in Schuss zu halten. Als schien sie Gedanken lesen zu können, sagte sie: Darf ich dir meine neueste Errungenschaft vorstellen?
Ich war gespannt, was jetzt kommen würde. Sie bat mich, ihr zu folgen und gemeinsam gingen wir in die Mitte des Rasens. Und dort stand ein Rasensprenger. Aber nicht irgendeiner. Nein, der Rasensprenger war eine Nachbildung von Johannes Paul II, dem vor nicht allzu langer Zeit verstorbenen Papst. Er hatte seine Hände zum Segen ausgebreitet und durch winzig kleine Löcher in seinen Händen floss das Wasser hindurch und bewässerte den Garten. Mama Mia, wie kitschig dachte ich. OK, ok, andere Länder, andere Sitten. Was solls.
Und dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen und ich dachte: Eigentlich ist dieser Rasen sprengende Papst ein schönes Bild für uns Christen. Denn das ganze Gebilde funktioniert nur, wenn die Verbindung zum Haupthahn bestehen bleibt. Wird der Haupthahn abgedreht ist Ende der Vorstellung. Beim Papst und bei allen anderen auch. Nur weil wir mit Jesus Christus verbunden sind, können wir sinnvoll und lebensspendend wirken. Dafür Sorge tragen, dass Menschen aufblühen, wachsen und gedeihen, neue Hoffnung in ausweglosen Situationen schöpfen.
Wer an mich glaubt, von des Leibe werden Ströme lebendigen Wassers fließen. Damals als Kind konnte ich mit dem Bibelvers von Tante Elsbeth nichts anfangen. Heute finde ich den Spruch attraktiv und versuche so zu leben, dass auch ich für andere wie lebendiges Wasser bin.
Tante Elsbeth und der Rasensprenger
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