Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

01.03.07, 5.56 Uhr, Pfarrer Erhard Ufermann

Was hat das eine mit dem anderen zu tun?

Kennen Sie das? Sie stehen morgens früh auf, drücken schlaftrunken auf den Schalter der Kaffeemaschine, und das Radio springt an.

Sie hören die Morgenandacht  - natürlich ungewollt. Und die Kaffeemaschine ist kaputt. Für einen Moment fragen Sie sich: Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Sie trinken heimlich den Kakao ihres Sohnes oder beginnen den Tag gesund mit einer halben Flasche Wasser.

Beim Starten des Wagens gibt es noch ein lautes Aufheulen. Sonst passiert nichts. Sie schieben den Wagen zur nächsten „Tanke“. Zahnriemen. 432 Euro. Sie haben den „Kaffee auf“, ohne einen getrunken zu haben. 432 Euro! Sie fahren mit den „Öffentlichen“ zum Büro. Kommen natürlich eine halbe Stunde zu spät zur Besprechung. „Herr, lass Abend werden!“

Abends zu Hause: Sie freuen sich auf das UEFA-Cupspiel Bremen gegen Ajax, öffnen sich ein Bier, werfen sich auf die Couch und schalten den Fernseher ein. Sie erahnen es: Der blitzt noch mal kurz auf und verabschiedet sich. Nach einem heftigen Wutanfall überlegen Sie sich, das Spiel nebenan in der Kneipe anzusehen. Auf der Treppe fällt Ihnen der Kollege Wolff ein. Mit Sicherheit werden Sie ihn dort treffen. Da Sie aber erst vor zwei Tagen dort abgestürzt sind, könnte der im Büro die Idee verbreiten, Sie seien Alkoholiker. Sie drehen um und entscheiden sich für einen ruhigen Abend zu Hause.

Die Frau und der Sohn sind bei der Schwiegermutter. Eigentlich könnte man ja auch mal früher ins Bett gehen. Lesen vielleicht. Sie hatten doch ganz nette Bücher zum Geburtstag geschenkt bekommen. Im Bett starren Sie auf die grün leuchtenden Zahlenspiele ihres Radioweckers. So eine merkwürdige Unruhe in Ihnen lässt Sie nicht schlafen. Was war das heute? Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Gibt es eine wissenschaftliche Erklärung dafür? Wohl nicht. Die kaputten Teile wurden alle in unterschiedlichen Geschäften, zu verschiedenen Zeiten und an beliebigen Orten gekauft. Vielleicht könnte man das Phänomen psychologisieren: Ihre Unzufriedenheit der letzten Monate nimmt allmählich Einfluss auf Ihre Umgebung. Na ja. Aber elektrische Geräte? Der Zahnriemen? Die Teile hören einfach auf zu funktionieren. Ich kann auch nicht einfach aufhören zu funktionieren!

Die Frage nach dem „Warum“ führt auch nicht weiter. Sie kostet nur eine Drehung mehr im Bett: Warum geht um Gottes willen nicht mehr alles so weiter wie bisher? Jetzt fehlt nur noch, dass sich Gott meldet.

Ihr Reli-Lehrer fällt Ihnen ein, der alte Meier: Die Frage nach dem „Wozu?“ würde mehr bringen, als die Frage nach dem „Warum“ hatte er damals gemeint. Soll das alles gewesen sein, wenn immer alles funktioniert? Da muss mir erst die gesamte Technik um die Ohren fliegen, um mir deutlich zu machen, dass ich nicht einfach immer nur funktionieren will. Leben ist mehr. Ich will mehr. Komisch, wie der Alltag manchmal mit Gott zu tun kriegt. Ungewollt.

Audiobeitrag Was hat das eine mit dem anderen zu tun?


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