Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

27.02.07, 18-19 Uhr, Pfarrer Jost Klausmeier-Saß

Hinsehen und handeln

Marco trainiert eine Kampfsportgruppe - Jiu Jitsu für Kinder zwischen 8 und 14 Jahren. Das macht ihm Spaß: seinen Leuten was beibringen.

Doch im November beim Duschen nach dem Training machte er eine schreckliche Entdeckung: Ein Junge hatte den Rücken voller Verletzungen. Aber nicht vom Sport.

O-Ton: Striemen, sehr heftige Striemen auch, mit Krusten und Narben.

Sprecherin: Marco war geschockt, aber sah nicht weg. Und ging der Sache nach.

O-Ton: Und dann hab ich ihn versucht drauf anzusprechen, was er denn da hätte und warum? Nach langer Zeit dann des Redens kam er dann darauf zurück, dass seine Eltern ihn schlagen – mit so einem Lederriemen oder Ledergürtel oder was das auch immer war. Und er wollte nicht, dass das irgendeiner erfährt. Ist ja so, dass die Kinder Angst haben, dass dann noch mehr passiert.

Sprecherin: Marco war anfangs unsicher: Was tun? Darf man sich einfach ins Privatleben anderer Leute einmischen? Sollte er mit den Eltern reden? Aber was redet man mit Leuten, die Ihre Kinder misshandeln? Marco entschloss sich, das Jugendamt einzuschalten. Und tat damit genau das Richtige:

O-Ton: Dann ging das eigentlich relativ ganz schnell, dass die dann auch dahin gefahren sind und haben dann nachgekuckt – und die haben den dann auch direkt mitgenommen.

Sprecherin: Der Junge kam für kurze Zeit in ein Heim und dann in eine Pflegefamilie, wo er bis heute lebt. Marco denkt oft an ihn und ist sich sicher, dass es richtig war, sich eingemischt zu haben

O-Ton: Wie ich gesehen habe, was ich für ein Leben hatte – und was der Kleine für’n Leben hatte…! Ich würde es jederzeit wieder tun!

Sprecherin: Christiane Birgden

Audiobeitrag Hinsehen und handeln


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