Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

02.03.07, 15-16 Uhr, Pfarrer Jost Klausmeier-Saß

Strafe und Gnade

Eine Pressemitteilung der Bundesregierung von 1977 – dem Jahr großer Terroranschläge in Deutschland.

O-Ton: (Pressemitteilung): Ganz offensichtlich ist, dass die Tat nämlich so angelegt worden ist, dass die Männer getötet werden sollten.

Terroristen ermorden damals den Arbeitgeberpräsidenten Hanns - Martin Schleyer und viele andere Menschen. Wollen die Bundesrepublik zum Zusammenbruch bringen. Die Terroristen werden dafür wenig später verhaftet und verurteilt. Und haben seitdem 25 Jahre im Gefängnis verbracht. Brigitte Mohnhaupt war eine der Anführerinnen von damals. Sie hat  einen Antrag gestellt, aus dem Gefängnis entlassen zu werden. Und sie ist nun begnadigt worden.

Viele Leute sind deswegen empört. Sie sagen: Eine so große Schuld ist nie getilgt. Ich frage mich aber: Sollte nicht jeder Mensch eine zweite Chance bekommen? Klar –Straftäter, von denen noch eine Gefahr ausgeht, mal ausgenommen.

Aber muss es nicht auch mit „Strafe“ irgendwann einmal gut und genug sein? Sollte nicht irgendwann „Gnade“ möglich sein, auch wenn es brutale und kaum zu verstehende Verbrechen gegeben hat? 25 Jahre im Gefängnis, ohne Freiheit, ist das genug?

Die Terroristen von damals haben unseren Staat nicht zerstören können. Dieser Staat zeigt nun Stärke,  wenn er sogar mit seinen Gegnern gnädig umgeht. Gnädig sein braucht nämlich viel mehr Stärke, als Gewalt.

Sprecherin: Christiane Birgden

 

Audiobeitrag Strafe und Gnade


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