Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

15.02.07, 6.56 Uhr, Pfarrer Reinhard Ellsel

Der großzügige Arbeitgeber

"Leistung muss sich wieder lohnen!": so lautete mal der Wahlspruch einer Bundestagspartei. Wahrscheinlich hat sich mir dieser Wahlslogan eingeprägt,

weil er mir unmittelbar einleuchtet. Wenn ich gute Früchte meiner Arbeit wachsen sehe, habe ich viel Freude an der Arbeit. Wenn aber meinem Einsatz der Lohn vorenthalten wird, verliere ich die Lust daran. "Leistung muss sich lohnen!": Das scheint gerecht zu sein - sowohl im beruflichen als auch im persönlichen Bereich. Was sagt Jesus eigentlich dazu? Wie stellen sich "Lohn" und "Leistung" aus der Sicht Gottes dar? Jesus hat einmal ein Gleichnis erzählt, um deutlich zu machen, wie Gott "seine Bücher führt". Jesus erzählt von Gott und vergleicht ihn mit einem Weinbergbesitzer. Dieser stellt früh am Morgen einige Leute für die Arbeit in seinem Weinberg an. Im Laufe des Tages geht der Weinbergbesitzer noch mehrere Male los, um Arbeiter einzustellen - sogar noch eine Stunde vor Dienstschluss. Dann wird abgerechnet. Jesus erzählt weiter:

Sprecherin:
"Am Abend sagte der Weinbergbesitzer zu seinem Verwalter:
Ruf die Leute zusamen und zahl allen ihren Lohn.
Fang bei denen an, die zuletzt gekommen sind,
und höre bei den ersten auf.
Die Männer, die erst vor einer Stunde angefangen hatten,
traten vor, und jeder bekam ein Silberstück.
Als nun die an der Reihe waren, die ganz früh angefangen hatten, dachten sie, sie würden entsprechend besser bezahlt.
Aber auch sie bekamen jeder ein Silberstück.
Da schimpften sie über den Besitzer und sagten:
Die anderen haben nur eine Stunde lang gearbeitet
und du behandelst sie genauso wie uns,
die wir zwölf Stunden in des Tages Hitze geschuftet haben?
Da sagte der Weinbergbesitzer zu einem von ihnen:
Mein Freund, ich tue dir kein Unrecht. Hatten wir uns nicht auf ein Silberstück geeinigt? Das hast du bekommen, und nun gehe!
Ich will nun einmal dem letzen hier genausoviel geben wie dir!
Ist es nicht meine Sache, was ich mit meinem Eigentum mache? Oder bist du neidisch, weil ich großzügig bin?"

Autor: Liebe Hörerinnen und Hörer, ist das gerecht? Gleicher Lohn für alle, egal, wie lange sie gearbeitet haben? Das stellt doch unser Gerechtigkeitsempfinden auf den Kopf. Was würde ein Gewerkschaftler und nicht nur der dazu sagen? Auf den zweiten Blick allerdings, wenn sich der erste Ärger gelegt hat, kommt Gottes Großzügigkeit in den Blick, und diejenigen, die zunächst arbeitslos waren, freuen sich über die großzügige Bezahlung. Gottes Gerechtigkeit ist gerechter als unsere menschliche Gerechtigkeit. Sie schließt keinen aus, sondern jeden ein. Ich finde das befreiend. Viele stöhnen unter des Last, dass im Berufsleben immer mehr von den Arbeitnehmern verlangt wird. Sei es die Krankenschwester, sei es der Abteilungsleiter, sei es die Erzieherin. Niemandem wird mehr etwas geschenkt. Ungerechter Weise geht die Schere zwischen Spitzenverdienst und Niedriglohn immer weiter auseinander. Gott sei Dank ist Gott anders! Man stelle sich vor, Gott selbst würde das so wollen und das würde auch noch ewig so weiter gehen! Deshalb sind es für mich keine Plattitüden, dass ich weiß: Gott nimmt mich so an, wie ich bin. Für Gott bin ich wertvoll. Ich darf die Leistung bringen, die Gott in mich hineingelegt hat, und brauche mich nicht ständig zu überfordern. Gott gibt mir das, was ich zum Leben brauche Mir hilft dieses Wissen, dass ich meinen Tag gelassen und mit Freude gestalten kann.

Audiobeitrag Der großzügige Arbeitgeber


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