Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

12.02.07, 8.56 Uhr, Pfarrer Reinhard Ellsel

Das Senfkorn

Liebe Hörerinnen und Hörer, wie laufen Sie sich eigentlich warm für den neuen Tag,wie bringen Sie Ihren Körper und Geist auf Betriebstemperatur?

Eine gute Starthilfe für mich ist das Lesen in der Bibel. In dieser Woche will ich mit Ihnen über einige Gleichnisse nachdenken, die Jesus erzählt hat.

Sprecherin:
Jesus fragte die Zuhörer:
Womit sollen wir das Reich Gottes vergleichen?
Welches Bild könnte euch helfen, es zu verstehen?
Ich möchte das Reich Gottes vergleichen mit einem Senfkorn.
Das ist ein winziges Samenkorn.
Wenn es aber in den Boden gesät wird, wächst es schnell heran
und wird größer als alle anderen Sträucher.
Es bekommt starke Zweige,
in denen die Vögel sogar ihre Nester bauen können."

Ludwig Nommensen, 1834 auf der nordfriesischen Insel Nordstrand geboren, war so ein Senfkorn. Er wurde mit zwölf Jahren todkrank. Ein Jahr lag er zwischen Leben und Tod. Auf dem Krankenbett versprach er Gott: "Wenn ich gesund werde, werde ich Missionar!" Nach einem Jahr wurde es besser mit ihm, und er wollte sein Versprechen auch einlösen. Als er 14 Jahre alt war, starb sein Vater. Nommensen musste nun sieben lange Jahre die vaterlose Familie ernähren, indem er beim Bauern Hilfsknecht war. Dann schrieb er an das Missionsseminar in Wuppertal. Er bekam keine Antwort. Er fuhr einfach hin. Später konnte er mit der langjährigen Ausbildung beginnen. Dann brach er auf nach Sumatra, um Gottes Wort zu verkünden. Als Nommensen mit 84 Jahren stirbt, bilden 120.000 Christen eine lebendige, junge Kirche auf Sumatra.

Aus einem kleinen Senfkorn ist ein riesiger Baum geworden. Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, manchmal mögen wir uns so vorkommen, gerade am Morgen - klein und unbedeutend. Da ist der Schüler, der missmutig sein Müsli löffelt. Trotz aller Mühen bringt er doch immer nur Vieren oder Fünfen von der Schule mit nach Hause; höchstens mal eine drei. Lohnt sich die Lernerei überhaupt? Da ist Mutter, die sich mit der Erziehung ihrer Kinder alle Mühe gibt. Und doch sind sie jetzt häufig unzugänglich und frech. War denn aller Einsatz umsonst? Da ist der Pfleger in einem Altenheim, dem die Arbeit mit den Alten zunehmend schwerer fällt. Seit seinem Bandscheibenvorfall kann er nicht mehr richtig heben. Gehört er etwa auch schon aufs Altenteil? Doch der ganze Tag liegt noch vor ihnen. Gott hat einen Plan für unser Leben  und jeden Tag etwas mit uns vor. Der Schüler trifft in der Schule seine Freunde. In einer der Pausen spielen sie Fußball. Und der Vokabeltest ist überraschend gut ausgefallen. Hat sich die Lernerei also doch gelohnt. Die Mutter bittet die Kinder beim Mittagessen um Mithilfe. Sie decken den Tisch und schnippeln den Salat. Sogar den Müll bringen sie ungefragt nach draußen. Die Mutter lächelt: "Es war also doch nicht alles umsonst." Der Altenpfleger führt an diesem Tag ein gutes Gespräch mit Angehörigen. Sie sind froh und dankbar, dass ihre Mutter in dem Pflegeheim untergekommen ist und gut versorgt wird. Wie gut, dass er mit seiner Erfahrung diesen Angehörigen Sorgen nehmen konnte.

Gott will uns und unser Tun segnen. Wir dürfen ihn um Kraft und Hilfe bitten für diesen Tag. Und manchmal lässt er auch durch uns aus kleinen Anfängen etwas Großes werden.

 

Audiobeitrag Das Senfkorn


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