Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

14.02.07, 8.56 Uhr, Pfarrer Reinhard Ellsel

Der Freund und die Bitte

Liebe Hörerinnen und Hörer, wie gut ist es, wenn man einen Freund hat oder ein Freundin; jemanden, auf den man sich richtig verlassen kann!

Ein Japanisches Sprichwort bringt es auf den Punkt: "Keine Straße ist zu lang mit einem Freund an der Seite."Jesus hat immer wieder deutlich gemacht, dass Gott für alle Menschen solch ein Freund und Begleiter sein möchte. Das mag manchem vielleicht etwas japanisch oder spanisch vorkommen. Die Frage steht im Raum: "Wie komme ich denn in Kontakt mit diesem besonderen Freund? Und: Was habe ich davon, wenn ich mich auf Gott einlasse?" Jesus erzählt dazu eine Beispielgeschichte:

Sprecherin:
Stellt euch vor: Jemand von euch hat einen Freund.
Mitten in der Nacht geht er zu ihm, klopft an die Tür und bittet ihn:
Leihe mir doch bitte drei Brote.
Ich habe unerwartet Besuch bekommen und nichts im Haus,
was ich ihm anbieten könnte.
Vielleicht würde der Freund dann antworten:
Stör mich nicht!
Ich habe die Tür schon abgeschlossen und liege im Bett.
Außerdem könnten meine Kinder von dem Lärm wach werden.
Ich kann jetzt nicht aufstehen und dir etwas geben.
Das sage ich euch:
Wenn er schon nicht aufstehen und dem Mann etwas geben will, weil er sein Freund ist,
so wird er schließlich doch aus seinem Bett steigen
und ihm alles Nötige geben,
weil der andere ihm einfach keine Ruhe lässt.

Autor: Freundschaft ist nicht nur etwas für Sonnentage. Gerade in schweren Zeiten müssen sich Freundschaften und Beziehungen bewähren. Wie schwer fällt es doch manchmal, einem Freund unter die Arme zu greifen, wenn es dem nicht gut geht. Ein Mann klagte mir: "Als ich plötzlich krank wurde und lange Zeit im Krankenhaus lag, da merkte ich erst, was wahre und was oberflächliche Freundschaft ist." Viele haben in ihrem Leben schlechte Erfahrungen mit vermeintlich guten Freunden gemacht. Durch ihre Lebenserfahrungen sind sie bitter und misstrauisch geworden - letztlich einsam. "Lieber keine Beziehung eingehen", so denken manche, "als wieder enttäuscht werden." Ich kann solche Gedanken gut verstehen. Und gerade deshalb empfinde ich dieses Gleichnis von Jesus als wohltuend. Es eröffnet uns einen weiten Horizont, dass wir nicht resignieren, sondern Beziehungen, Freundschaft und Treue wagen. Denn Jesus spricht davon, dass es für unser Leben einen freundlichen Nachbarn gibt, der uns hilft, dass unsere Beziehungen gelingen und nicht scheitern. Gott nämlich. Zu Gott können wir gehen, wenn es eng wird in unseren Beziehungen. Wir können Gott darum bitten, dass er uns die Hände füllt; dass er uns Ideen und Kraft gibt, damit wir unseren Freunden auch wirklich beistehen können. Gott bietet sich an, in unseren Freundschaften als guter Freund mit dabei zu sein. Allerdings mag es demjenigen, der Gott um Hilfe bittet, auch schon mal so vorkommen sein, als ob Gott für ihn im Moment überhaupt keine Zeit habe. Manchmal scheint Gott uns - wie im Gleichnis - ein Nachbar zu sein, der sich längst hingelegt hat und mit allen Leuten im Hause in den schönsten Träumen schlummert.

Hier aber erschließt uns Jesus eine neue Dimension „Gebt euch nicht damit zufrieden“, sagt Jesus: "Bleibt dran! Ihr dürft Gott zu jeder Tages- und Nachtzeit bestürmen. Ihr dürft richtig Krach schlagen. Gott wird euch Hilfe geben." Viele andere haben das schon erlebt - und auch ich. Ich bekam nicht immer das, was ich wollte; aber immer das, was gut für mich war. Vor allen Dingen fand ich Gottes Freundschaft.

Audiobeitrag Der Freund und die Bitte


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