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Das Schlitzohr
Fromme Menschen können von Unfrommen jede Menge lernen. Und Unfromme von Frommen. Doch leider gibt es auf beiden Seiten oft festgefahrene Vorurteile,
die es verhindern, dass man aufeinander hört und voneinander lernt. Jesus erzählt deshalb eine provozierende Geschichte. Sie führt uns in die Welt des "Mammon", in die Welt des Geldes. Da wird ein Verwalter angeschwärzt, er verschleudere das Eigentum seines Herrn und Brötchengebers. Der Herr sagt zu seinem Verwalter - ohne dass er den Vorfall groß geprüft hätte -: "Ich schmeiße dich raus. Wickel die letzten Geschäfte ab und dann: Pack deine Sachen!"
Der Verwalter - ob schuldig oder unschuldig, wird nicht gesagt - rettet nun ausgerechnet seinen Kopf dadurch, dass er seinen Herrn im großen Stil betrügt. Er hofft darauf, dass er durch die Fälschung von Schuldscheinen einen neuen Arbeitgeber findet, der ihn später bei sich einstellt. Und der Gipfel des Ganzen ist: Ausgerechnet sein eigener Herr, den er betrogen hat, und der von diesen Betrügereien Wind bekommt, sagt: "Dieser Verwalter ist raffiniert. Das ist ein Schlitzohr. Den kann ich unmöglich entlassen! Den kann ich noch für andere Geschäfte gut gebrauchen!"
Jesus nimmt nun diesen Vorfall auf und sagt an die Adresse der Unfrommen: In Geldgeschäften, da seid ihr fix und clever. Da handelt ihr mit großer Zielstrebigkeit, um eure Haut zu retten. Aber wenn es darum geht, euer ewiges Heil zu ergreifen, dann schiebt ihr die Entscheidung bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag hinaus! Ich wünsche mir von euch mehr Findigkeit in Glaubensdingen. Es gibt so viel Gutes mit Gott zu entdecken. Setzt alles auf eine Karte!
Und den Frommen schreibt Jesus ins Stammbuch: Was seid ihr träge und ängstlich geworden! Eure frühere Beweglichkeit ist erstarrt. Ihr riskiert nichts mehr, um anderen von euren Erfahrungen mit Gott zu erzählen. Ich wünsche mir bei euch so ein bisschen Schlitzohrigkeit, wie sie der Verwalter an den Tag gelegt hat.
Liebe Hörerinnen und Hörer, in dem Film "Sister Act" ist die Hauptfigur eine Nachtclubsängerin. Sie hat eine Liebschaft mit Vince, dem Besitzer des Nachtclubs. Vince ist ein vielgesuchter Gangster. Doch die Polizei hat keine Beweise für seine Machenschaften. Da wird Deloris Zeugin von einem Mord, den Vince begeht. Vince will nun auch Deloris umbringen lassen. Deloris flüchtet zur Polizei und die versteckt sie an einem Ort, wo sie vor den Gangstern sicher ist: in einem Nonnenkloster. Die ausgebuffte Nachtclubsängerin bei den Nonnen: Zwei Welten treffen aufeinander! Aber das ist gut so: für Deloris und für die Nonnen, die sich ganz hinter die Mauern ihres Klosters zurückgezogen haben. Deloris findet Halt im christlichen Glauben und bringt unter dem Decknamen "Schwester Mary Clarence" frischen Wind in das Nonnenkloster. Das geht nicht ohne Konflikte mit der Oberin ab. Aber die Nonnen schlagen sich zusehends auf die Seite von Mary Clarence. Sie verlassen die Klostermauern und beginnen, Sozialarbeit in der Umgebung zu leisten. Die Oberin und ehrwürdige Mutter, die sich lange gegen diesen Aufbruch im Kloster gestemmt hat, sagt schließlich zu Deloris alias Mary Clarence:
Sprecherin: (zunächst etwas anklagend:) "Sie tragen die Verantwortung für alles, was geschehen ist: Die Disziplinlosigkeit in unserem Konvent; der Ungehorsam, der um sich gegriffen hat; die Lebensgefahr, in die Sie uns gebracht haben.
(jetzt sehr dankbar:) - - Danke!"
Das Schlitzohr
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