Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

17.02.01. 7.50 Uhr, Pfarrer Reinhard Ellsel

Ist Gott für mich (EG 351)

Ist Gott für mich so trete gleich alles wider mich. Sooft ich ruf und bete, weicht alles hinter sich. Hab ich das Haupt zum Freunde und bin geliebt bei Gott.

Was kann mir tun der Feinde und Widersacher Rott

Autor: Kann Gott eigentlich für uns sein? Kann Gott für den Mann sein, der von seinem Vater eine mittelständische Firma übernommen hat mit mehreren Mitarbeitern? Der diese Firma aber nicht halten kann, weil er kein unternehmerisches Geschick hat; dem der Stress über den Kopf wächst; der sich flüchtet in Alkoholmissbrauch; von dem sich seine Frau trennt. Kann Gott für diesen Mann sein?

Kann Gott für die Frau sein, die nach vielen guten Ehejahren mit der Pflege ihres Mannes nicht mehr fertig wird? Die unter der Last des Alleinseins mit ihrem Mann zusammenzubrechen droht; die sich dazu entscheidet, ihren Mann in ein Pflegeheim zu geben; die wieder neu zu Kräften kommt, nun aber von ihrem Gewissen geplagt ist. Kann Gott für diese Frau sein?

Sprecherin: Nun weiß und glaub ich feste, ich rühm’s auch ohne Scheu. Dass Gott, der Höchst und Beste, mein Freund und Vater sei. Und dass in allen Fällen er mir zur Rechten steh. Und dämpfe Sturm und Wellen und was mir bringet Weh.

Autor: Kann Gott für einen Paul Gerhardt sein, der sage und schreibe 26 Semester Theologie studiert hat? Der mit gut vierzig Jahren immer noch keine Anstellung als Pfarrer hat; der fromme Verslein schreibt, aber sich offensichtlich nicht dazu durchringen kann, Verantwortung für sein Leben zu übernehmen. Kann Gott für diesen Paul Gerhardt sein?

Kann Gott für einen Saulus sein, der in seinem religiösen Übereifer zu einem Verfolger der ersten Christen wird? Der dabei steht und sich darüber freut, dass ein Stephanus zu Tode gesteinigt wird; der mit einer kleinen Truppe unterwegs ist nach Damaskus, um die dortigen Christen gefesselt nach Jerusalem zu führen. Kann Gott für diesen Saulus sein?

Kann Gott für uns sein? Die Antwort lautet: "Eigentlich, Nein!"
Und doch ist dies noch nicht die ganze Antwort. Gott sei Dank! Ja, eigentlich kann Gott nicht für uns sein! Aber Gott will es! Gott will für uns sein! "Gott, der Höchste und Beste, will mein Freund und Vater sein!"

Ist das nicht verrückt? Ist das nicht paradox? Stellt das nicht jeglichen Zusammenhang von Tun und Verdienst auf den Kopf? Ja, es ist verrückt! Es ist paradox! Gott stellt jegliche Logik auf den Kopf - und zwar, weil er uns liebt. Liebe ist nicht logisch! Liebe rechnet nicht! Gott ist die Liebe! Das ist das Geheimnis unseres christlichen Glaubens, dass der Schöpfer der Welt seinen verlorenen Geschöpfen hinterherläuft.

Gott stellt sich auf unsere Seite, gerade weil wir uns immer wieder verirren in dieser Welt; weil wir oft weit hinter unseren Idealen zurückbleiben; weil wir oft kläglich versagen. Gott nimmt uns in Schutz.

Autor: Paulus, der frühere Saulus, schreibt:

Sprecherin: "Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein? Der auch seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben - wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der gerecht macht. Wer will verdammen? Christus Jesus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferweckt ist, der zur rechten Gottes ist und uns vertritt." (Römer 8,31-34)

Autor: Ihm, dem Saulus, ist der auferstandene Jesus entgegengetreten. Auf dem Weg nach Damaskus war es. Da hat der einstige Christenverfolger eine Umwertung aller Werte erfahren. Da hat er erkannt, dass Jesus auch für ihn am Kreuz von Golgatha gestorben ist. Die Erkenntnis dieser Liebe hat den Saulus zum Paulus gemacht. Und Paul Gerhardt dichtet mit den Worten des Paulus:

Sprecherin: Der Grund, da ich mich gründe, ist Christus und sein Blut; Das machet, dass ich finde das ewge, wahre Gut. An mir und meinem Leben ist nichts auf dieser Erd; Was Christus mir gegeben, das ist der Liebe wert.

Autor: Wie Paulus bekennt auch Paul Gerhardt, dass er sich nicht auf seine Leistungen gründet. Er gründet sich auf das, was Jesus Christus für ihn geleistet hat.

Ich finde diese Lebenseinstellung befreiend. Sie rechnet nämlich sehr realistisch damit, dass es im Leben oft ganz anders kommt, als man es eigentlich gewollt hat. Je älter ich werde und je mehr Lebenserfahrung ich gewinne, desto mehr erkenne ich, dass auch das Scheitern zum Leben gehört.

Was aber ist, wenn ich mir ein Scheitern nicht vergeben kann? Was ist, wenn andere mich immer wieder auf mein Versagen festnageln. Wie erlösend ist es da zu wissen, dass Gott mich nicht auf meine Fehler festnagelt. Ja, noch mehr: Gott selbst nimmt mich vor den Anklagen in Schutz, und auch vor mir selbst. Gott vergibt und gibt mir immer wieder eine neue Chance.

Eine riesige Last wird da von meinen Schultern genommen. Ich darf aufatmen, ich darf aufrecht gehen. An der Seite meines Herrn Jesus Christus darf ich mich meines Lebens freuen.

Sprecherin: Mein Herze geht in Sprüngen und kann nicht traurig sein, ist voller Freud und Singen, sieht lauter Sonnenschein. Die Sonne, die mir lachet, ist mein Herr Jesus Christ; das, was mich singen machet, ist, was im Himmel ist.

Das war Kirche in WDR 3 mit Pfarrer Reinhard Ellsel aus Sennestadt über den Liedsatz “Ist Gott für mich, so trete“ nach
einem Text von Paul Gerhardt. Es sang der ERF Studiochor unter der Leitung von Gerhard Schnitter.

 

Audiobeitrag Ist Gott für mich (EG 351)


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