Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

16.02.07, 5.56 Uhr, Pfarrerin Elke Rudloff

Trennungsagentur

Ganz schön schwierig: Eine Liebe zu beenden. Nur selten verläuft das so cool wie bei Humphrey Bogart und Ingrid Bergmann in dem Film „Casablanca“.

Im richtigen Leben sind Trennungen oft hochdramatisch. Da gibt es, lautes Geschrei und viele Tränen . Auch bei Männern. Z.B. Palti, von dem die Bibel erzählt. Als seine Frau Michal zu einem anderen ging soll er kilometerlang weinend hinter ihr hergelaufen sein.

Sicher für beide eine nervenaufreibende Situation. Aber wie geht eine Trennung besser? In seinem Song „50 ways to leave your lover“ empfiehlt Paul Simon, jedenfalls nicht lange zu diskutieren. Im Zeitalter von Internet und Handy – kein Problem. Heute gibt es das  schon. Da wird dann per SMS Schluss gemacht.

Ich finde das unmöglich. Genauso wie die neueste Variante, die so genannte „Trennungsagentur“. Da kann man tatsächlich zwischen verschiedenen Aufträgen wählen.  Etwa ein Telefongespräch nach dem Motto „Lass uns Freunde bleiben“ oder alternativ „Lass mich in Ruhe“ . Beides für schlappe 19,95. Euro. Etwas teurer ist der Brief, der den Partner über sein neues Singledasein informiert . Und schließlich gibt es auch noch die Möglichkeit, persönlich den Schlusspunkt zu setzen. Nicht etwa, indem man selbst hingeht, sondern jemanden aus der Trennungsagentur hinschickt. Der tritt dann - je nach Auftrag und Absprache -  sanft oder hart auf. Das ganze soll schnell und unkompliziert funktionieren. Verspricht zumindest die Agentur.

Ich kann das nicht glauben. Denn eine Trennung geht nicht eben mal ruck zuck. Da muss viel geredet, gestritten und auch geweint werden. Schließlich hat man sich doch mal geliebt. Und eine Trennung tut verdammt weh. So oder so. Besonders dann , wenn mir dazu noch ein wildfremder Mensch mitteilt, dass es aus ist. Die Folge sind doppelt verletzte Gefühle, für die der Bote die falsche Adresse ist. Also wird der oder die Ex danach wahrscheinlich sofort ins Auto steigen und die verlorene Liebe zur Rede stellen.

Wer sich dagegen von der evangelischen Kirche begleiten lässt, findet Unterstützung für Weg Nr. 51: Für den Mut,sich seine Absichten persönlich zu sagen. Für Abschiedsworte, die auch enthalten, was schön war, als man sich noch geliebt hat. Und vielleicht sogar für gute Wünsche auf dem weiteren Lebensweg.

Klar, das klingt schwieriger und unangenehmer und scheidet für extreme Fälle wie Stalking und Gewaltbeziehungen aus.

Aber ganz normale Paare, die diesen Weg gegangen sind, sagen rückblickend, dass es für sie so letztlich leichter und heilsamer war. Sie konnten irgendwann wieder ein neues Leben beginnen und mussten nicht wie Rick ihre Gefühle runter schlucken oder wie Palti der verlorenen Liebe hinterher laufen.

Audiobeitrag Trennungsagentur


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