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Wenn das Leid, das wir tragen, den Weg uns weist
Das Jahr ist noch jung. Nur wenige Tage alt. Doch manche wissen schon heute: Es wird kein gutes Jahr. Sie werden viel weinen und wenig schlafen.
Und sie werden immer wieder fragen Warum. Am Sterbebett ihres Liebsten. Am Grab der Tochter. Am Krankenbett der Freundin. Warum Gott, hast Du das zugelassen. Und Gott schweigt. Kein Wunder, wenn sie dann kommen, die Zweifel am Glauben.
Nikolaus Schneider, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, hat all dies auch erlebt. Zusammen mit seiner Frau Anne. Vor zwei Jahren haben sie ihre jüngste Tochter Maike verloren: An Krebs. Jetzt haben sie ein Buch geschrieben. Es heißt: Wenn das Leid, das wir tragen, den Weg uns weist. Auch sie fragen sich: Warum hat Maike den Kampf verloren? Nach neun Chemotherapien und einer Knochenmarktransplantation. Präses Nikolaus Schneider:
O-Ton: Das ist für mich rätselhaft auch fremd und dunkel. Da ist noch was zu klären, da hab ich selber mit Gott noch was zu klären.
Autorin: Maikes Mutter Anne, der 57-jährigen Realschullehrerin für Religion und Mathematik, geht es ähnlich.
O-Ton: Ich kann einfach weder eine pädagogische noch eine theologische Antwort darauf finden, warum das nötig war, dass Maike mit 22 Jahren gestorben ist.
Autorin: Die Frage nach dem Warum sie bleibt für die Eltern offen. Trotzdem: Ihre Beziehung zu Gott bricht nicht ab.
O-Ton: Selbst eigentlich so in meiner tiefsten Verzweiflung ist nicht der Gedanke aufgetaucht, es gibt Gott nicht ... sondern es ist irgendwie mehr vergleichbar mit Zeiten von Entfremdung oder von Missverstehen, die ich auch in der Beziehung zu meinem Mann manchmal verspüre, also das dieses grundsätzliche Vertrauen nicht aufhört, dass Gott sich um mich kümmert, oder dass Gott mich letztendlich liebt und da ist. Autorin: Als Maike im Sterben lag aber auch während ihrer Krankheit hat die Familie oft zusammen gebetet und gesungen. Ihre Erfahrung war: Es gibt biblische Texte und kirchliche Lieder, die tragen. Die einem erlauben, mit dem Leiden zu hadern, sowie Jesus es selbst getan hat:
O-Ton: Wenn wir in der Passionsgeschichte nachlesen, wie Jesus selber die Zeit der Gefangennahme und des Zugehens dann auf seinen Tod erlebt hat, dann war das ja auch nicht so, dass Jesus sagte: Danke lieber Vater im Himmel, dass ich diesen Kelch nehmen darf, sondern er hat gesagt: Wenn es sein kann, dann lass den Kelch an mir vorübergehen.
Autorin: Und genau darin liegt auch der Trost in dem kleinen Büchlein von Anne und Nikolaus Schneider. Man muss sich nicht einfach nur fügen in das Leiden, man darf schreien, toben und weinen. Am 3. Februar 2005 lässt Gott Maike sterben. Doch die Beziehung ihrer Eltern zu Gott sie geht nicht kaputt. Trotz aller Risse und Zweifel. Sie haben Leid erlebt. Doch es hat ihnen einen Weg gewiesen:
O-Ton: Zu der Gegenwart Gottes schon jetzt in dieser Welt zu einer Erfahrung von Liebe, die alles umfängt.
Wenn das Leid, das wir tragen, den Weg uns weist
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