Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

01.02.07, 6.56 Uhr, Pfarrer Eko Alberts

Hat Gott ausgedient?

Hat Gott ausgedient? Für nicht wenige scheint dies der Fall zu sein. Nicht nur die Kirche, nein, Gott selbst hat ausgedient. Nicht mehr zu gebrauchen. Er funktioniert nicht.

Dieses Fazit muss nicht leichtfertig gezogen sein. Manchmal stehen bittere Erfahrungen dahinter: Leiden, Vereinsamung, Einsicht in die Heillosigkeit dieser Welt. Diese Erfahrungen lassen sich mit der Vorstellung von einem guten Gott nicht verbinden.

Ich habe Respekt vor solchen Schlüssen und trage auch meine Portion Zweifel durchs Leben. Dennoch: hier wird insgeheim eine Voraussetzung gemacht, die das Denken in die Irre führt. Die Voraussetzung lautet etwa: Wer Gott vertraut und Gutes tut, dem lässt Gott es gut ergehen; will sagen: der hat ein gutes, erfolgreiches Leben. Oft mag das ja so sein. Aber es trifft eben nicht immer zu. Zudem reizt dieser Satz zum Umkehrschluss: Wem es schlecht ergeht, der hat sich an Gott versündigt. Doch was ist, wenn einer sich keiner Schuld bewusst ist? Gewiss, er ist ein Sünder, wie alle Menschen; aber er weiß von keiner Schuld, die das Maß seines Unglückes rechtfertigen könnte. Ist Gott also ungerecht?

Es ergeben sich viele Fragen. Für manche zu viele. Sie „schaffen Gott ab“. Aber damit ist noch keine Frage gelöst und das Wohlergehen auch nicht wiederhergestellt oder garantiert.

Der Glaube hat immer wieder mit diesen Fragen gerungen. Das zeigt schon die Bibel selbst. In besonderer Weise im Buch Hiob. Hier wird ein Mensch gezeichnet, der gut und rechtschaffen ist und das Böse meidet. Ihm geht es gut. Er hat Erfolg. Doch eines Tages kommt eine böse Nachricht nach der anderen: „Hiobsbotschaften“.  Alles was er hat, wird ihm genommen. Dann geht es ihm sogar an die Existenz: die Gesundheit wird zerrüttet. Er sitzt in der Asche seines Lebens und möchte nur noch aus seiner Haut. Als seine Freunde später kommen, erkennen sie ihn nicht; dann schweigen und trauern sie sieben Tage und Nächte mit ihm. Doch am Ende werden auch sie nach dem alten Muster reden: Du hast dich an Gott versündigt, darum geht es dir so übel.

Hiob wird das zurückweisen und mit Gott um sein Geschick und um sein Recht streiten. Doch zuvor war ihm bereits der Gedanke: Gott hat ausgedient! nahegelegt worden. Seine eigene Frau fordert ihn auf: Sage Gott ab! Doch Hiob will nicht. Seine Gottesbeziehung  gilt für gute und schlechte Zeiten. Und gut und rechtschaffen ist er und meidet das Böse - nicht, weil er dafür von Gott Bezahlung im Glück erwartet. Er ist es, weil das zum wahren Mensch- sein gehört. Gott absagen? Das nennt er Torheit. Eine Frage drückt aus, wozu sein Glaube ihm hilft: Haben wir Gutes empfangen von Gott und sollten das Böse nicht auch annehmen? Hiob ahnt, dass alles, aber auch wirklich alles von Gottes Händen umschlossen bleibt. Nicht nur das Gute, auch das Böse. Nur darum kann alles gut werden. Dass für sein Leben die Fäden im Himmel gezogen werden, kann er nicht durch Erfolge beweisen. Aber er glaubt es; er vertraut darauf; er vertraut seinem Gott. Darum wird nicht er der große Verlierer sein, sondern der Versucher, der mit Unglück und Unheilsbotschaften den Menschen von Gott abtrünnig machen will.

Hat Gott ausgedient? Für mich nicht. Weder im Glück noch im Unglück. Er hilft mir, Mensch zu werden.

 

Audiobeitrag Hat Gott ausgedient?


Druckversion

Suche

Sendungen der Woche

Sendungen am Sonntag

Sendungen im Fernsehen