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Gott hat geredet
Gott hat geredet: Ich weiß nicht, wann ich diesen Satz aus der Bibel zum ersten Mal gehört habe, aber noch heute kann ich empfinden, welchen Eindruck er auf mich gemacht hat.
Dieser Satz hat mich erwischt. Warum? Weil ich einerseits so manches belastende Schweigen erlebt habe. Und andererseits von drohenden Worten weiß, vom Brüllen und angeschrieen werden. Es gibt ein Schweigen der Eltern zum Beispiel, das für ein Kind nur noch beängstigend ist. Sie sagen nichts aber die Erwartung ist riesengroß. Schon unausgesprochen ist der Anspruch von Vater oder Mutter klar: Wenn Du dies nicht tust, was ich von Dir erwarte, dann hab ich Dich nicht mehr lieb. Wenn Du das nicht lässt, dann machst Du mich traurig. Und das ist das Schlimmste, was Du mir antun kannst. Da braucht es keine Worte. Da genügt ein Blick und das Verstummen. Es gibt nichts zu diskutieren, aus! Ringsherum Schweigen und lähmende Stille.
Andererseits gibt es in unserem Zusammenleben das Umgekehrte. Das Laute: Das ist das Drohen oder Schreien, das Anherrschen und Übertönen; das Dekretieren und Verlautbaren, Befehlen und Anordnen. Da soll die Lautstärke die Überzeugungskraft ersetzen und der beleidigende Ton die Argumentation. Der andere soll aus dem Feld geschlagen werden. Worte werden zur Waffe.
Daneben aber gibt es zum Glück das einfache Reden, miteinander reden. Ein Mensch redet, sagt etwas, teilt etwas mit. Der andere hört zu und kann antworten. Wird nicht gelähmt durch ein böses Schweigen oder in die Verteidigung gezwungen durch einen wortreichen Angriff. Und der da redet, darf und kann alles sagen, muss sich nicht zurückhalten. Er kann sich aussprechen und darf ganz zuende sprechen. Nicht immer gelingt uns das, mir zumindest nicht. Aber wenn, dann ist das eine Wohltat.
Und nun hörte ich da aus der Bibel diesen Satz: Gott hat geredet! Das hat mich damals fast umgehauen. Im positiven Sinn natürlich. Denn auch bei Gott war ich mir längst nicht sicher und muss mich manchmal wieder vergewissern: Wie ist es bei ihm eigentlich? Schweigen, belastendes Schweigen voll stummer Erwartungen? Oder Drohen, Schelten, Schreien?
Es steht ja soviel in der Bibel und die Menschen haben so unterschiedliche Erfahrungen mit Gott gemacht. Doch in einem der letzten Teile des Neuen Testamentes heißt es zusammenfassend: Gott hat geredet. Welch eine Wohltat!
Er hat früher geredet durch die Propheten. Seit alters, seit jeher, sagt die Bibel. Vielfach und vielfältig. Gott ist nicht stumm und ohne Mitteilung. Er hat uns seit jeher gesucht. Hat Boten geschickt, in denen er redet. Nicht immer die gleiche Melodie, nicht immer das gleiche Hämmern und Eintrichtern, sondern vielfältig wie die Musik. Nicht nur Märsche, auch Walzer. Und die er angeredet hat, hat er eingeladen zu hören, zu verstehen, auf die Musik einzugehen. Natürlich kommen sie immer wieder aus dem Takt, missverstehen sie. Darum lässt er sein Herz sprechen. Schließlich und endlich redet er durch seinen Sohn. In dem sagt er alles, was er uns sagen will: alles Reden Gottes findet in ihm sein Ziel, seine Spitze.
In diesem Sohn, für uns als Menschenkind geboren, dessen Kommen wir zu Weihnachten gefeiert haben, spricht Gott sich aus. Wer will da nicht verstehen? Gott schweigt nicht und brüllt uns nicht zusammen. Er hat uns alles gesagt, was uns zum Leben verhilft.
Gott hat geredet
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