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Mensch, hast du es gut!
Jemand erzählte einmal folgende Begebenheit: "Auf dem Bahnsteig, 17.10 Uhr. Es regnet. Ein Betrunkener mit einer Bierflasche wankt auf mich zu.
Ich will mich abwenden, da tippt er mit seiner Flasche gegen meine Brust und fragt: "Glaubst du an Gott?" Darauf bin ich nicht gefasst. Soll es ein Witz sein? Mir ist die Sache peinlich. Aber ich kann ihm nicht ausweichen. So sage ich unüberlegt, spontan: "...Ja!" Ich will noch weiterreden, erwarte die Reaktion `Na, dann zeig ihn mir mal!` Aber er sagt nur: "Mensch, hast du es gut!" Erst in diesem Augenblick schaue ich ihn richtig an. Sein Gesicht ist müde, kaputt."
Überraschend ist die Antwort des Betrunkenen: "Mensch, du hast es gut!" - und kann im Grunde für einen Christenmenschen doch gar nicht überraschend sein. Der sollte doch wissen, dass er es gut hat. Ja, lass dir das ruhig gesagt sein: Du hast es gut, liebe Christin, lieber Christ, du hast es gut mit deinem Glauben an Gott! Weißt du das wohl? Oder ist dir dein Glaube manchmal eher eine Last, eine Pflicht vielleicht? Dann muss da wohl etwas schiefgegangen sein. Muss erst ein müder Alkoholiker kommen und dir wieder auf die Sprünge helfen?
Als Christenmenschen können wir wissen: Mein Horizont endet nicht an der Grenze meiner Kurzsichtigkeit und mein Himmel ist nicht durch schwere Wolken verschlossen. Ich bin nicht bis oben zu, wie jener Betrunkene auf dem Bahnsteig. Der ist ja nicht nur durch den Alkohol zu: Er hat keinen mehr, der seine Grenzen durchbricht. Er ist sich selbst überlassen und weiß, dass er mit sich selber nicht fertig wird. Er hat seinen Gott verloren, hat keinen, dem er ganz vertrauen kann. Ich aber darf vor einem offenen Horizont und unter einem offenen Himmel leben. Und darum habe ich es gut. Meine Hoffnung muss nicht in der Sucht enden und ich habe meine Zukunft nicht schon hinter dir. Ich habe jemanden, an den ich glauben kann, einen anderem, dem ich vertraue: Gott, der sich in Jesus Christus bekannt und mir vertraut gemacht hat.
Ob schon Christenmenschen oder noch nicht, wir müssen nicht bei uns selbst stehen bleiben, sondern können uns anvertrauen: "Seid beharrlich im Gebet !" lädt die Bibel zu einer solchen Haltung ein. Und sie meint nicht, dass wir nun 24 Stunden am Tag mit einem bestimmten Ritual verbringen sollen. Aber dass unser ganzes Leben sich öffnen darf, das meint sie schon. Bleib nicht mit dir selbst allein, dann bleibst du nämlich auf dich selbst fixiert und läufst dich bald fest. Aber richte dich auf den anderen aus, ja, auch auf Gott. Was der für dich ist und wie der ist, nicht in deiner Vorstellung, sondern wirklich und wahrhaftig, das kannst du alles an Jesus Christus erkennen. Ein Freund fürs Leben. Der geht mit durch dick und dünn. Bis ans Kreuz. Bis ins Grab. Voran zum Leben durch den Tod. So ist Gott und nicht anders. "Glaubst du an Gott?" so wurde der Mann gefragt. Unüberlegt spontan sagt er "Ja" und wollte dann, peinlich berührt, eigentlich noch viel mehr sagen. Es war nicht nötig. Der andere wusste Bescheid: "Mensch, du hast es gut!"
Mensch, hast du es gut!
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