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Die Botschaft der Engel
Einer ist hässlich, einer voller Hoffnung, einer mit dem Boot unterwegs und der vierte vergesslich. Bei allen Unterschieden haben sie eine Gemeinsamkeit: Sie sind Engel.
Genauer: Zeichnungen von Engeln aus der Hand von Paul Klee. Zweihundert seiner Spätwerke zeigt das Kölner Museum Ludwig bis Anfang März. Darunter auch die Engel, die 1939 und 40, in seinen letzten beiden Lebensjahren entstanden. Einfache, mit Bleistift gezeichnete Wesen. Schlichte Linien bilden Kopf und Gewand, Füße, die mit großen Schritten in die Zukunft schreiten. Und Flügel, die spitz nach oben weisen. Details heben das Charakteristische hervor. Der Schellenengel hat ein Glöcklein am Kleid hängen und scheint sich daran zu freuen, dass es bei jedem Schritt bimmelt. Einen, der die Hände suchend zur Seite streckt, bezeichnete Klee als Engel noch tastend. Keine Frage, nicht nur wer noch all die pausbäckigen, selig lächelnden Gestalten der Weihnachtsdarstellungen vor Augen hat, wird feststellen: Paul Klees Engel sind anders.
O-Ton: Ich glaube, dass dahinter eben eine ganz archetypische Vorstellung vom Engel durchscheint, der eben bei Paul Klee viel direkter und viel archaischer aufgefasst wird als in anderen kunsthistorischen Beispielen,
Autorin: sagt die Museumspädagogin Karin Rottmann. Die Besucher der Ausstellung empfinden das ähnlich:
O-Ton: Die haben nicht so Locken, wie man das so von Kirchengemälden kennt, ganz anders und trotzdem ein Engel. O-Ton: In der Darstellung, wie sie hier zu sehen sind, lösen sie sicherlich deswegen was aus, weil sie etwas Menschliches haben und nicht so etwas, was ich sonst mit Engeln verbinde, eher Abgehobenes darstellen.
Autorin: Menschlich finden viele Betrachter die Engel, so menschlich, dass man ihr Engel-sein nur an Einem erkennen kann:
O-Ton: an den Flügeln.
Autorin: Doch gerade so menschlich, sprechen sie die Betrachter an. Was den Besuchern an ihnen gefällt:
O-Ton: Der hat eine ganz kurze Nase und er sieht sehr lustig aus.
O-Ton: Dass sie nicht so vorgefertigt sind wie sonst die Engel - Darstellung, auch dass die Flügel hängen, oder dass sie eigentlich ein bisschen wie du und ich sind.
Autorin: Paul Klees Engel sind nicht fertig, sie entwickeln sich noch. Ein Engel ist im Kindergarten, einen nennt Klee im Schreiten noch unerzogen, einer heißt unfertig, einer bald flügge. Engel, die auf der Suche sind. Wie auch der tastende Engel, der gut ankommt,
O-Ton: weil der, wenn ich mir den so angucke, ganz viel von dem zeigt, ja was das Leben so ausmacht. Sich eben ja ganz langsam an was herantasten.
Paul Klees Engel sind alltagstauglich. Sie haben menschliche Eigenschaften und Gefühle, stecken noch mitten in der Entwicklung. Gerade deshalb sind Klees Engel die allerbesten Verkünder der biblischen Botschaft. Sie kommen auf die Erde herab, weisen auf das Menschwerden Gottes, sein Dasein in unserem Leben, in unserem Alltag. Sie beseelen jegliches Tun, die Freude am Leben, das Hoffen, das unterwegs sein. Nur ihre spitzen Flügel zeigen; sie haben ihren Ursprung bei Gott, und weisen auch uns auf ihn hin. In Gottes Gegenwart muss man nicht fertig sein. Er begleitet auch das Stolpern und Wachsen. Das kann sogar einen Engel trösten, den weinenden. Bei aller Traurigkeit lässt er die Flügel nicht hängen.
Die Botschaft der Engel
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