|
Das sagt sich so
Zur Zeit des Bürgerkriegs in Jugoslawien war bei uns im Städtchen ein Flüchtlingsheim. Das war in der Nähe unserer Grundschule.
Wir sind da als Kinder öfter vorbeigelaufen und haben dann gesehen, dass an diesem Heim ganz viele Satellitenschüsseln befestigt waren. Komisch, die Leute kommen aus einem anderen Land. Und denen geht es doch nicht so gut, deswegen kommen sie ja zu uns. Aber eine Satellitenschüssel können sie sich leisten! Das haben damals alle so gesehen. Und ich habe das auch so gesehen.
Irgendwann hat mir dann eine Dame von der Evangelischen Kirche, die da ehrenamtlich gearbeitet hat, erzählt, dass den Leuten wichtig ist, dass sie jugoslawisches Fernsehen gucken können, weil dieses Fernsehen der einzige Kontakt in ihre Heimat war. Das habe ich damals nicht verstanden.
Ein paar Jahre später habe ich dann auch ein Jahr im Ausland gewohnt. In Schweden. Plötzlich habe ich eine neue Perspektive auf das Ganze bekommen: Ich habe zwar den Kontakt zu den Schweden sehr genossen. Doch ich hatte einen guten Kumpel, der war Deutscher. Mit dem habe ich mich sehr oft getroffen und da haben wir uns permanent auf Deutsch unterhalten. Weil es einfach so einfach ist: Man kann ironisch sein, man kann sich über Gefühle unterhalten. Aber das habe ich erst gerafft als ich in der Situation war Ausländer zu sein
Mein Kumpel hatte natürlich auch eine Satellitenschüssel. Und deswegen stand ich auch jeden Samstag pünktlich um 18:00 Uhr bei ihm auf der Matte zur Sportschau. Und plötzlich habe ich verstanden wichtig Heimat für den Menschen ist.
Sprecher: Gernot Hoersch
Das sagt sich so
|