Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

15.01.07, 6.56 Uhr, Pfarrerin Antje Rösener

"Ich habe einen Traum"

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer! „Ich habe einen Traum“ – spätestens mit diesem Satz wurde Martin Luther King,

der heute vor 77 Jahren in Georgia, in den USA geboren wurde, weltberühmt.

Sprecher: „Ich sage Euch: Trotz der Schwierigkeiten, die sich heute auch vor uns türmen, habe ich noch einen Traum. Ich habe den Traum, dass sich diese Nation eines Tages erhebt, dass sie den wahren Sinn ihres Credo in ihrem Leben verwirklichen wird, das Credo, das da lautet: Wir halten es für offenbar, dass alle Menschen gleich geschaffen sind.“

Autorin: Träumer haben es nicht leicht in unserer Welt. Zuerst werden sie ignoriert oder allenfalls belächelt. Dann werden Argumente gesucht, um sie zu widerlegen. Sollte das auch noch nichts nützen, werden sie mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln bekämpft. Martin Luther King hat es am eigenen Leib erfahren. Als Rosa Parks, eine schwarze Frau aus den Südstaaten der USA sich am 1. Dezember 1955 weigerte, ihren Platz im Bus für einen Weißen zu räumen und dafür verhaftet wurde, ahnte niemand, welche Lawine damit ins Rollen kam. Noch in derselben Nacht gab es die erste Versammlung von Schwarzen, zu denen auch Martin Luther King gehörte. Sie organisierten einen Bus-Boykott, der 381 Tage anhielt. Als sich der schwarzen Bürgerrechtsbewegung immer mehr Menschen anschlossen und sie einen Gerichtsprozess nach dem anderen gewannen, wurde es ernst. Längst war Martin Luther King einer ihrer prominentesten Sprecher geworden. Gewaltfrei wollte er kämpfen, das hatte er bei seinem großen Vorbild Mahatma Gandhi in Indien gelernt. Aber er selbst sollte der Gewalt erliegen: Am Abend des 4. April 1968 wurde er unter bis heute nicht ganz geklärten Umständen erschossen. 1983 wurde in den USA der dritte Montag im Januar, also der heutige Tag, zu Ehren Martin Luther Kings Nationalfeiertag.

King starb 1968, aber längst hatte die Bürgerrechtsbewegung der Schwarzen Amerika verändert. Sein Traum überlebte seinen Tod, denn sein Traum war viel älter als er. Viel älter als Amerika selbst. Sein Traum vom Zusammenleben der Menschen war geprägt von Bildern der Bibel. Seine Werte – um dieses Wort aus unseren Tagen zu benutzen – waren unlösbar verbunden mit Texten der Bibel. Dass das Recht strömen möge wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein mächtiger Strom – dieses Wort eines Propheten aus dem Alten Testament trug er tief in seinem Herzen.

Sein Traum überlebte und er wird bis heute geträumt. Immer dort, wo die Rechte von Menschen mit Füßen getreten werden, wo Menschen das Lebensnotwendige verweigert wird, Arbeit und Brot, Kleidung und Bildung. Wo die Armen immer ärmer werden und die Reichen immer reicher.

In den vergangenen Monaten sind viele Menschen wieder neu sensibel geworden für diesen Traum. Nicht drüben in Amerika, sondern hier in Deutschland, in einem Land, wo laut statistischem Bundesamt 13 Prozent der Bevölkerung, darunter 1,7 Millionen Kinder, von Armut bedroht sind.

Dass das Recht strömen möge wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein mächtiger Strom – das ist ein Traum, für den in Deutschland noch viel getan werden kann. Wenn viele Menschen dieses biblische Bild so fest in ihrem Herzen tragen, dass sie sich an ihrem Arbeitsplatz, in ihrem Freundeskreis, in Politik und Schule…wo auch immer…für Gerechtigkeit einsetzen, dann verändert sich was. Dann wird einem solchen Träum der Weg gebahnt, Zentimeter für Zentimeter. Martin Luther King beschreibt es so:

Sprecher: „Das ist unsere Hoffnung. Mit diesem Glauben sind wir imstande,  aus dem Berg der Verzweiflung den Stein der Hoffnung zu hauen.“

Audiobeitrag "Ich habe einen Traum"


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