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Die Tageszeitung
Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer ,Lesen Sie eigentlich eine Tageszeitung? Liegt sie vielleicht schon neben Ihnen auf dem Frühstückstisch
oder müssen Sie sie gleich noch aus dem Briefkasten holen? Welchen Teil schlagen Sie zuerst auf und welche Seiten lesen Sie überhaupt nicht? Oder gehören Sie auch zu denjenigen, die sich diese geballte Ladung von Schreckensnachrichten nicht mehr antun wollen. Ich habe die Tageszeitung abbestellt sagte kürzlich jemand auf einer Geburtstagsparty, ich tu mir das nicht mehr. Andere nickten. Auch die Tagesschau finde ich nur deprimierend fuhr eine Frau fort. Höchstens einmal die Woche halte ich die noch aus. Diese geballte Ladung von Bildern über Krieg und Terror, die Sonntagsreden der Politiker, die Abgebrühtheit und Arroganz vieler Wirtschaftsbosse
! Ich kann es nicht mehr sehen, ich will es nicht mehr hören. Es tut mir nicht gut.
Ich konnte die beiden verstehen. Die Nachrichten aus dem Nahen Osten, aus Israel und Palästina zum Beispiel, sie sind wirklich geeignet um allen Glauben an das Gute im Menschen zu verlieren. Allen Glauben daran, dass wenigstens kleine Schritte in Richtung auf weniger Gewalt möglich sind. Aber auch so manche Nachricht aus dem Inland, über die Korruptions- und Schmiergeldaffären bei VW oder Siemens z.B.
machen nur ärgerlich und wütend. Haben die denn gar kein Gewissen, fragt man sich. Können sie denn tun und lassen, was sie wollen? - Nein, das tut nicht gut. Ich will es manchmal auch nicht mehr hören, geschweige denn sehen.
Und doch
was ist die Alternative? Wegschauen, weg hören? Nur noch Sport, Volksmusik, Liebesfilme, Quizsendungen? Welcher Star sich in wen verliebt hat? Welche Ablösesumme dieser oder jene Verein geboten hat? Ob Prinz William oder Prinz Charles der nächste König von England wird?
Vor kurzem führ ich in Wuppertal mit der Schwebebahn. Es war ein Abend im Advent, die Bahn übervoll. Viele vom Einkaufen müde Gesichter, ein paar Jugendliche, die sich in den Haaren lagen, ein Obdachloser, der sich mit seinen Siebensachen noch eben in die Bahn gezwängt hatte. Neben mir stand ein Kinderwagen, darin lag ein kleines Baby, ein paar Monate alt. Der Schnuller war ihm aus dem Mund gefallen. Es schlummerte im wahrsten Sinn des Wortes
seelenruhig. Ein völlig entspanntes Gesicht, fast so, als sei es noch nicht ganz von dieser Welt. In diesem Augenblick wusste ich, warum ich die Augen nicht zumachen kann und will. Diese Kinder, die nächsten Generationen, sie haben ein Recht darauf, dass wir ihnen die Welt so hinterlassen, dass sie die Chance haben, glücklich zu werden.
Ich lebe nicht nur für mich. Ich lebe auch für sie. Ich brauche mich nicht kleiner zu machen, als Gott mich geschaffen hat. Die ganze Welt verändern kann ich nicht. Aber er hat mir Augen und Ohren gegeben, zwei Hände, ein Herz. Ein Mund, den ich auftun oder schließen kann. Er hat mich hineingestellt in die Reihe der Generationen: Meine Eltern haben zusammen mit vielen anderen nach dem Krieg Deutschland wieder aufgebaut, Schulen und Kirchen errichtet und vieles mehr. So konnte ich so alt werden, wie ich heute bin, teilhaben an vielem, was das Leben zu bieten hat. Nach mir kommen andere. Auch sie wollen leben, ihre Chance bekommen, teilhaben, sich einbringen.
Ich brauche mich nicht kleiner zu machen, als Gott mich geschaffen hat. Die ganze Welt verändern kann ich nicht. Aber mehr als wegschauen und weghören ist schon drin.
Die Tageszeitung
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