Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

15.01.07, 5.56 Uhr, Pfarrerin Eva Zoske-Dernóczi

Fast gestorben

Manchmal überkommt mich so eine Angst. Was, wenn mein Arzt bei einer Routine-Untersuchung doch mal was Schlimmes entdeckt.

Was, wenn ich plötzlich der Realität ins Auge blicken muss, dass ich schwer krank bin. Meiner Nachbarin Miriam ist genau das passiert. Sie ist 19 Jahre alt. Wenn man sie sieht, denkt man nicht, dass sie fast gestorben wäre. Sie ist sehr hübsch, lacht viel und sieht immer so gut gelaunt aus. Wenn man genau hinsieht, kann man aber an ihrem Hals eine Narbe entdecken, die sie meist durch ein Tuch oder einen Schal verdeckt.

O-Ton: Man hat das festgestellt nach meiner Mandel-Operation. Da hat man ein Röntgenbild gemacht und da hat man gesehen, dass da was gewachsen ist. Und ich bekam auch Fieber. Schluckbeschwerden. Und der Tumor ist immer weiter gewachsen.

Autorin: Ein Tumor. Ein Tumor, den man bei einer Routineuntersuchung entdeckt hat. Der auf Speise- und Luftröhre drückte. Miriam lag bereits im Krankenhaus. Nur leider wuchs der Tumor schneller, als man dachte.

O-Ton: … und in einer Nacht wäre ich beinah erstickt. Zum Glück hat meine Bettnachbarin den Arzt gerufen. Deshalb wurde mir am nächsten Tag dieser Tumor in einer Not-Operation entfernt und dieses entnommene Gewebe wurde untersucht. Das Ergebnis hieß, dass ich einen Pseudotumor habe, also: Kein Krebs! Da war ich schon ziemlich erleichtert heute ist zwar noch ein Resttumor in mir, aber er ist bis heute nicht gewachsen.

Autorin: Trotzdem muss Miriam regelmäßig untersucht werden, um den Tumor zu beobachten. Um zu verhindern, dass er ein weiteres Mal auf die Luftröhre drückt. Miriam weiß nicht, ob sie nicht doch noch mal ins Krankenhaus muss. Das Interessante ist aber: Es beängstigt sie nicht. Und das, obwohl diese Tumorart sehr selten vorkommt und nur wenige Spezialisten sich damit auskennen.

O-Ton: …und da finde ich es wirklich ein Wunder, dass ich heute noch lebe. Weil es hätte ja auch alles anders verlaufen können. Seitdem schätze ich auch das Leben mehr als vorher, weil ich ja praktisch dem Tode schon ins Auge geblickt hab… in dieser Nacht, wo ich beinahe erstickt wäre. ..Wegen der Krankheit bete ich jetzt nicht mehr als vorher, aber es hat mir schon irgendwie gezeigt, dass es da was gibt, dass es Gott gibt, dass er mir beisteht, dass ich das Ganze auch überlebt hab.

Autorin: Für Miriam steht fest, dass Gott sie begleitet und gerettet hat. Und das macht sie so gelassen gegenüber allem, was da noch so kommen mag. Sicher, ich kenne auch die, die so einen Tumor nicht überlebt haben. Es gibt keine logische Erklärung dafür, warum der eine  ein Wunder erlebt, der andere nicht. Aber es gibt sie: die Geschichten von Wundern. Christen haben sie sich stets weitererzählt. Die Bibel ist voll davon. Weil sie Hoffnung machen. Und deshalb habe ich Ihnen heute Morgen diese Geschichte erzählt, weil sie mir Angst nimmt und Hoffnung macht. Ihnen vielleicht auch.

Audiobeitrag Fast gestorben


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