Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

19.01.07, 5.56 Uhr, Pfarrer Jost Klausmeier-Saß

Worte des Jahres

In unserem Land wird Jahr für Jahr ein „Wort des Jahres“ gekürt. Die Gesellschaft für deutsche Sprache wählt einen Begriff,

der in der Öffentlichkeit besondere Bedeutung erlangt hat. Im Jahr 2006 war das der Begriff „Fanmeile“. Bei der Fußball-Weltmeisterschaft im letzten Sommer wurden in vielen Städten Fanmeilen eingerichtet, in denen die Spiele übertragen wurden und auf denen heimische und aus aller Welt angereiste Fußballfans ausgiebig feiern konnten. An diesen Orten hätten Hunderttausende „ihrem ganz besonderen Lebensgefühl" Ausdruck verliehen, so wurde die Entscheidung für „Fanmeile“ begründet.

Nach Jahren mit meist negativ klingenden Begriffen war das endlich einmal ein Wort, das an positive Erfahrungen denken lässt. Vielleicht erinnern Sie sich – in den Jahren davor wurden z.B. „Hartz IV“, oder der „Teuro“ oder der „11. September“ zu Worten des Jahres gewählt. Ich finde aber: die positive Tendenz der „Fanmeile“ reicht noch nicht. Es muss noch besser werden. Und kann noch besser werden. Deshalb sollten wir bereits heute beginnen, die im Dezember anstehende Wahl des „Wortes 2007“ zu beeinflussen.

Wie wär’s denn mit dem Wort „Allgemeinzufriedenheit“? „2007 – das Jahr, in dem man in Deutschland zufriedener auf sein Leben blicken lernte.“ Das Jahr, in dem sich mehr und mehr Menschen ihres vergleichsweise hohen Lebensstandards bewusst wurden. Das Jahr in dem die Neidkampagnen der Boulevardpresse niemanden mehr interessierten! Gejammer nur noch, wenn’s wirklich berechtigt ist. Aber nicht schon als Grundton des Alltags. Stichwort: Mehrwertsteuer.

Oder wie wär’s mit dem Begriff „Wertschätzungsoffensive“? „2007 – das Jahr, in dem die Menschen in Deutschland einander zunehmend wertschätzten.“ Das Jahr, in dem die Menschen sich bemühten, nicht mehr vorschnell über andere zu richten. Wertschätzung statt Geringschätzung. „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet.“ Der alte Auftrag Jesu – in Deutschland 2007 endlich offensiv umgesetzt!

Schluss mit den Unworten der letzten Jahre von „Rentnerschwemme“ über „Wohlstandsmüll“ bis „Humankapital“. Oder wie wär’s mit „Hoffnungsüberschuss“ als Wort des Jahres 2007? Weil wir alle mehr Hoffnung als Resignation haben – und leben!
Weil wir die drängenden Probleme unserer Zeit hoffnungsvoll angehen.

Darauf setzen, dass auch aus kleinen Initiativen große Veränderungen werden können. Aus einem Senfkorn wächst ein Baum, ein Weizenkorn bringt hundertfache Frucht und wenn jeder bei sich anfängt, seinen Lebensstil zu überprüfen, ist die Zerstörung unseres Planeten noch nicht beschlossene Sache. Hoffentlich. Das Wort des Jahres 2007: „Allgemeinzufriedenheit“?  „Wertschätzungsoffensive“? „Hoffnungsüberschuss“? Wir dürfen gespannt sein, was wir schaffen.

Audiobeitrag Worte des Jahres


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