Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

20.01.07, 6.30-07 Uhr, Pfarrerin Kerstin Hanke

Gut und Böse

Ich liebe Krimis. Möglichst spannend müssen sie sein. Möglichst undurchsichtig. Wenn ich gleich weiß: Da ist der Böse und da der Held, finde ich das eher langweilig.

Lieber mag ich die anderen, die zeigen: Menschen sind beides: gut und böse. Die erzählen wie Menschen  zu Opfern werden und wie zu Tätern. Und manchmal eben beides sind.

Und die spannendsten  Fragen bleiben dabei: Woher kommt das Böse? Was ist Sünde? Kann es am Ende überhaupt Gerechtigkeit geben? Gute Krimis verweigern da eine eindeutige Antwort. Nicht zufällig sind Krimihelden zurzeit eher melancholische Gestalten. Zweifelnd. Ratlos. Mit Schattenseiten. Und am Ende bleibt dann offen, wer nun eigentlich die „Guten“ und wer die „Bösen“ sind. Und das ist mir sehr vertraut: Denn ich kann nie alles wissen und werde es auch nicht: Über andere. Über mich.

Das Böse ist schillernd. Das hat Martin Luther nicht viel anderes gesehen. Er sagt: Es ist naiv nur auf das Gute im Menschen zu vertrauen. Habe den Mut das Böse in der Welt und in dir selbst anzusehen. Das tut weh. Das macht wenig Spaß. Aber: Verzweifele nicht. Werde nicht zynisch! Vertraue darauf:  Gerechtigkeit gibt es nur bei Gott. Menschen sind und bleiben ungerecht.

Ich kenne also  nicht deine ganze Wahrheit, du kennst nicht meine. Und weil das so ist, lass uns gnädig miteinander sein.

Sprecherin: Christiane Birgden


 

Audiobeitrag Gut und Böse


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