|
Meine Seele können sie nicht beherrschen
Wie siehts aus, haben Sie für das Neue Jahr schon ein paar gute neue Vorsätze gefasst? Endlich mal den Keller aufräumen, weniger Süßes essen,
mehr Geduld für Eltern oder Kinder aufbringen? Schön und gut, aber eigentlich braucht es keinen Jahresanfang, um Lebensweichen neu zu stellen. Es können auch andere Ereignisse sein unerwartet oder unausweichlich - wie bei der ungarischen Opersängerin Bianca von Zambelly etwa.
Musik: Aus dem Ave Verum: ... Christo nobis praegustatum ...
Als aktives Mitglied eine Widerstandgruppe geriet Zambelly in den 50 ger Jahren in die Fänge der berüchtigten Geheimpolizei des kommunistischen Regimes. Ihr altes Leben zerbrach.
O-Ton: Als ich im kommunistischen Gefängnis war, da waren die Umstände so, dass ich voll und ganz meine Stimme verloren hatte. Und als das das zweite Mal war, nach der Flucht, da habe ich ein Gelübde getan, dass wenn meine Stimme so weit in Ordnung wird, dass ich singen kann, und zwar auch noch beruflich das mache, dann werde ich so oft in Kirchen singen, wie oft man mich nur darum bittet und fragt.
Autorin: Ein Gelübde, weit mehr als ein guter Vorsatz zum Neuen Jahr. Bianca von Zambelly legte es schon als 23-Jährige ab, 1956, als sie nach drei Jahren Haft während der Revolution befreit wurde. Und sie hält dieses Gelübde bis heute, 50 Jahre später. Zum Beispiel hier in ihrer evangelischen Kirchengemeinde in Essen, wo Zambelly seit langem lebt und immer wieder mal im Gottesdienst singt. Der Gesang ist ihre Herzenssprache:
O-Ton: Wenn man gläubig ist, dann kann man das viel schöner ausdrücken mit der Musik, als mit den eigenen Worten, wenn man betet.
Autorin: Du bist ein Gott, der mich sieht, heißt es im biblischen Monatsspruch für den Januar 2007. Von Gott gesehen zu werden, das hat Bianca von Zambelly vor allem zu Beginn ihrer Gefangenschaft erlebt, als sie nachts verhaftet wurde und für drei Monate in den feucht-kalten Verhörzellen der Stasi verschwand. Schreckliche Augenblicke, als sich die 20-Jährige beim Verhör nackt ausziehen musste. Aber auch eine unerwartete Erfahrung der Stärke:
O-Ton: In dem Moment hab ich gespürt: Sie können mit mir machen, was sie wollen. Alles. Aber meine Seele, meinen Geist, den können sie nicht beherrschen. Und da fiel mir in der Bibel ein, wo es heißt: Habt keine Angst vor denen, die Euren Leib verderben, nur vor denen, die eurer Seele schaden tun. Plötzlich hatte ich eine Kraft und ich fing mich an aufzurichten, von innen her, wurde ich immer gerader, gerader und ich stand plötzlich ganz gerad. Und das war die erste Erkenntnis der großen Kraft, die man nur von oben bekommen kann.
Autorin: Für die Künstlerin sind diese Ereignisse prägend bis heute. Keine Alltagserfahrungen, aber es sind religiöse Erfahrungen, die jeder Mensch auch im ganz normalen Alltag machen kann: Wenn Bianca von Zambelly in der Kirche singt, dann erzählt sie davon: Herr, meine Burg, mein Fels, mein Hort
Musik: Herr meine Burg, mein Fels, mein Hort
_____________________________________
Die Musikaufnahmen sind Live-Mitschnitte der Autorin aus dem Gottesdienst
Meine Seele können sie nicht beherrschen
|