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Zuversicht
Weihnachten scheint schon weit entfernt, die Sylvesterknaller längst verraucht, aber in den meisten Wohnräumen steht noch der Tannenbaum.
Mindestens bis zum Dreikönigstag heißt es gewöhnlich und nur ganz tapfere Zeitgenossen lassen den Weihnachtsbaum länger stehen, wie meine Tante Dora, die ihn alljährlich am 5. Februar zu ihrem Geburtstag letztmalig erleuchten ließ.
Meinen Christbaum werde ich am kommenden Montag abschmücken, heute aber am Fest der Heiligen drei Könige wird er mich noch einmal mit seinem Kerzenlicht und dem Kugelglänzen an das Kind in der Krippe erinnern. Denn dorthin waren sie unterwegs die drei Weisen aus dem Morgenland, aufgebrochen wegen der Prophezeiung vom neuen König und geführt von einem langschweifigen Stern, dem sie Abend für Abend folgten. Tagsüber hofften sie voller Zuversicht auf sein abendliches Erscheinen. Die Zuversicht hielt sie auf dem rechten Weg. Wären sie auf eigene Faust tagsüber ohne den Stern weitermarschiert, oder nach etlichen Tagen der Meinung gewesen, dieses Himmelszeichen sei vielleicht doch nicht der richtige Wegweiser, womöglich wären sie im Kreis gelaufen und niemals angekommen. Die Zuversicht hielt die Zweifel fern und die Könige auf der richtigen Fährte. Meine Großmutter sprach oft von dieser Zuversicht. Ihr Leben baute sie darauf auf und kein noch so schlimmes Ereignis konnte sie davon abbringen, dass danach alles wieder ins Lot kommen würde. Die Zuversicht eingebetet in ihren großen Gottesglaubens war ihre Richtschnur. So lebten auch die drei Könige mit ihrer Zuversicht, Tag um Tag, Nacht um Nacht. Es gibt eine Menge Geschichten um den Zug dieser drei Heiligen, Könige oder Weisen durch das Morgenland bis hin zur Krippe in Bethlehems Stall. Sie hatten Geschenke mit und ein Herz voller Fragen. Möglicherweise werden ihnen auch dann und wann Zweifel gekommen sein. Was machen wir hier eigentlich? Und spätestens als sie zu der armseligen Liegestatt kamen werden sie sich gedacht haben, Hier? Ein König geboren. Das kann doch wohl nicht wahr sein. Hätten sie nicht die Zuversicht gehabt, sie wären gewiss umgekehrt, hätten sich verschämt eingestanden, dass sie einer Lüge aufgesessen sein mussten, weiter ihr Leben gelebt und gehofft, doch noch irgendwann auf den Heiland zu treffen. Auch dass sie nach dem Besuch im Stall nicht wieder zurück zu Herodes gingen, zeigt von Zuversicht und Glauben an das, was die Engel ihnen sagten.
Hier in meiner Heimatstadt Köln sind wir besonders mit den Heiligen drei Königen verbunden. Im goldenen Schrein, an dem ein halbes Jahrhundert gearbeitet wurde, sollen ihre Gebeine liegen, von Rainald von Dassel, dem damaligen Erzbischof von Köln im Jahre 1164 aus dem zerstörten Mailand nach Köln gebracht, durch ein Tor, dem später der Name Dreikönigenpförtchen gegeben wurde und durch das man heute noch schreiten kann. Zuversicht, ein altes Wort und doch so tröstlich. Zuversicht gibt der Seele die Hoffnung zurück. Wenn die Sternsinger in diesen Tagen an meiner Tür stehen und nach dem Gesang fragen, ob sie mir den Dreikönigssegen auf den Türrahmen schreiben dürfen, dann spüre ich etwas von diese Zuversicht und hoffe, dass sie mir erhalten bleibt, über alle Zukunftsängste, Niederlagen und Zweifel mancher Tage in diesem neuen Jahr. Die Zuversicht, dass Gott alles in seiner Hand hält und weiß, was richtig ist und gut.
Zuversicht
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