Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

05.01.07, 5.56 Uhr, Silke Janssen

Das neue Elterngeld

Wenn Sie in den letzten Tagen und Wochen vor dem Jahreswechsel Hochschwangere gesehen haben, die sich betont langsam bewegten

und alles Belastende von sich fern hielten, dann hatte das einen Grund: Das neue Elterngeld. Jedes Kind, das am oder nach dem 1.1.2007 geboren wurde und wird, bringt den Eltern nämlich einen wahren Geldsegen: Ein Jahr lang erhält der, der zu Hause bleibt und sein Kind erzieht, monatlich 67% seines Nettoeinkommens, höchstens 1.800 Euro und wenn der andere Elternteil  noch mitmacht, gar 14 Monate. Benachteiligt sind die ohne Gehalt, also Arbeitslose, Hausfrauen oder Alleinerziehende.  Früher hätten sie 300 Euro Erziehungsgeld für zwei Jahre, erhalten. Jetzt bekommen sie nur noch die Hälfte – nämlich 300 Euro für ein Jahr. Das sind 3.600 Euro weniger als noch 2006. Das heißt also, die sozial Schwachen oder die, die sich bislang nur um Kinder und Haushalt gekümmert haben, gucken in die Röhre.
Und die anderen?  Frauen, die die Uni besucht haben und die – obwohl oder gerade weil sie beruflich etabliert sind - keine Kinder bekommen. Für die das neue Elterngeld ein Anreiz sein soll. Bekommen die jetzt alle Kinder, nur weil die Kasse klingelt? Ich kann und will das nicht glauben.

In einer Zeit, in der in einem Magazin für Manager schon gefragt wird, ob bereits die Ehe eine Karriere bremst, weil der Manager schließlich Rücksicht auf die Bedürfnisse des Ehepartners nehmen muß, sind doch Kinder noch weitere Klötze am Bein. Sie behindern karrierebewußte Menschen am Weiterkommen. Sie kosten Zeit, sie kosten Nerven und als Frau muss man sich zumindest in den ersten Monaten intensiv um sie kümmern, das verlangt die Natur. Man kommt aus dem Beruf raus, hat einen anderen Lebensrhythmus und dann Schwierigkeiten, wieder in den Beruf  reinzukommen. Ich glaube nicht, dass Geld vom Staat für karrierebewußte Menschen ein Anreiz ist, diese ganzen Schwierigkeiten auf sich zu nehmen.

Meiner Meinung nach ist das neue Elterngeld Augenwischerei. Im besten Fall hat eine Familie rund  25.000 Euro mehr auf dem Konto. Aber was machen die Familien nach diesem ersten Jahr sponsored by der Familienministerin? Dann geht es los mit Krippenplatz oder Tagesmutter. Da sind die 25.000 Euro schneller weg als man sieht. Und viele Eltern wollen ihre Kinder nicht an einen Dienstleister outsourcen.

Überhaupt - was steckt da für ein Denken dahinter. Ein Kind zu bekommen, weil es mir bezahlt wird? Kind als Ware? Das kann es doch nicht sein. Da war doch noch mehr.

“Kinder bringen Lebenslust und Kreativität“, sagte vor kurzem Margot Käsmann, Bischöfin der hanoverischen Landeskirche. Sie muss es wissen. Immerhin ist sie vierfache Mutter.  Kinder bringen mich als Erwachsenen zum Lachen. Sie machen mein Leben reich. Wenn ein kleiner Mensch seine kleinen Arme um meinen Hals schlingt und mir einen nassen Kuss auf die Wange schmatzt, dann geht die Sonne auf. Ein Kind ist ein kleines Wunder. Ein kleines Geschöpf Gottes, das mich immer wieder überrascht. In ihm erkenne ich Gott und seine Liebe zu den Menschen. In ihm erkenne ich auch, wie Gott Leben geschaffen hat und wie bunt und fröhlich er es gemeint hat. Es ist ein Wunder, was ein so kleiner Mensch schon alles auslöst und wie glücklich er andere machen kann, wenn er z.B. den ersten eigenen Schritt tut, das erste Wort sagt und anfängt, sich verständlich zu machen. Das ist für mich Reichtum, Lebensreichtum. Das kann kein Elterngeld aufwiegen.     

 

Audiobeitrag Das neue Elterngeld


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