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Beim Namen nennen
Ich sitze dösend in der S-Bahn. Eine junge Frau steigt zu, setzt sich mir gegenüber und blättert in einer Zeitschrift.
Ich sehe sie unauffällig an. Kommt mir irgendwie bekannt vor. Woher kenn ich die? Plötzlich sieht sie auf und lächelt überrascht. Hey, Arnd! Wie gehts dir? - Äh, hallo! Ja... gut! Uh, peinlich! Natürlich weiß ich ihren Namen nicht. Sie erlöst mich: Kati. Bei Rhein in Flammen weißt du noch? Ja, jetzt dämmert es: Sie war mit einem Kumpel von mir unterwegs gewesen. Wir hatten ein paar Minuten zusammengestanden und geredet. Jetzt reden wir wieder, und ich freu mich, dass sie mich wieder erkannt hat. Eigentlich komisch. Okay, sie ist sympathisch aber nicht wirklich mein Typ. Vielleicht freu ich mich ja, weil sie mich mit Namen angesprochen hat, obwohl sie mich kaum kennt. Sie hat damals den Namen mit meinem Aussehen verknüpft und mit dem, was ich damals gesagt habe, mit dem, wie ich damals war ja: mit mir. Es ist verrückt, aber als diese Frau mich eben Arnd genannt hat, hatte ich das Gefühl: Die akzeptiert mich; ich muss für sie nicht anders sein, um Michael zu sein. Ich bin ihr nicht egal. Schade, dass sie schon aussteigen muss. Tschüss Arnd, sagt sie, sehen wir uns irgendwann? Wäre schön!, sag ich. Tschüss Kati!
Sprecherin: Gott sagt: Fürchte dich nicht! Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du gehörst zu mir.
(Die Bibel, Jesaja Kapitel 43 Vers 1)
Sprecher: Michael Birgden
Beim Namen nennen
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