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Bibel in gerechter Sprache
Nun bricht auf Erden die himmlische Gerechtigkeit an. Denn jetzt liegt es auf allen Kanzeln und weihnachtlichen Gabentischen verantwortungsbewusster Christinnen und Christen
Das Buch der Bücher in gerechter Sprache. Wer die Bibel in gerechter Sprache liest, kann sicher sein, dass Jesus Jude war, dass die biblischen Frauen sichtbar gemacht und Diskriminierungen jedweder Art vermieden werden, heißt es in der Ankündigung des Verlags.
Übersetzt wurde das 2400 Seiten starke Werk von 42 Frauen und 10 Männern. Nur völlig Ahnungslose wittern eine Ungerechtigkeit und mutmaßen, Männer seien hier bei der Jobverteilung zu kurz gekommen. Das Gegenteil ist wahr: 20% Männer - 80% Frauen, diese Quote sollte Schule machen. Und zwar in allen Bereichen unserer Gesellschaft. Denn mehr ist für Männer schon naturgemäß nicht drin wie ein Blick in die Schöpfungsgeschichte beweist.
Der Frauenpower-Bibel zufolge lebte im Paradies ein Menschwesen, das offenbar androgyn war. Diesem Zwitter teilt Gott nicht eine Rippe ab, sondern gleich eine ganze Seite, aus der er dann Eva formt. Der einst so stolze Adam bleibt zurück als Rest des Menschwesens- wie es wortwörtlich heißt. Keine Frage, solch einem Abfallprodukt der Schöpfung kann Frau die Welt nicht wirklich überlassen. 20% Männerquote in Wirtschaft, Schule, Kirche und Politik sind für derartigen Zellmüll noch ganz schön viel. Aber es lässt sich noch mehr Überraschendes aus den Quellen feministischen Heils schöpfen.
Weihnachten eilen mit den Hirten endlich auch die Hirtinnen zum Jesuskind. Die rauhen männlichen Reste des Menschwesens allein hätten den zarten Säugling ja auch zu sehr erschreckt. Überhaupt wimmelt es in der Bibel nur so von Jüngerinnen, Königinnen, Zöllnerinnen, Brüderinnen und Schwesterinnen.
Nehmen wir noch das Weihnachtsevangelium nach Johannes. Das Wort ward Fleisch übersetzt Luther. Vegetarierinnen kriegten hier an Heilig Abend regelmäßig das Kotzen. Jetzt heißt es: Die Weisheit wurde Materie. Klingt wunderbar! Und- darüber lässt sich trefflich meditieren. Ach was, ganze Meditationsreihen können darüber abgehalten, Frauentage zum feinstofflichen Denken organisiert, überhaupt das ganze Bewusstsein in ungeahnte Dimensionen erweitert werden.
Nur eins wünschte Frau sich noch für die überarbeitete Neuauflage der Bibel in gerechter Sprache: Da die Weisheit weiblich ist, welche in Jesus Materie wurde, muss Jesus wer wollte es bezweifeln - eine Sie sein. Und darum sollte er - nein sie natürlich - auch so heißen. Bei Gott, dem Herrn, ist das ja schon gut gelungen: Er heißt an vielen Stellen die Ewige, die Heilige oder einfach Sie. Und der heilige Geist ist auch in die Geistkraft mutiert. Nur der Teufel ist noch männlich.
Bei Jesus scheint die Sache schwieriger. Ein weiblicher Name lässt sich aus Jesus kaum bilden. Aber gottlob oder der-Ewigen-sei-Dank gibt es ja noch die Würdenamen und Hoheitstitel. So lässt sich aus Christus problemlos eine Christa oder Christina machen. Und statt Immanuel sollte Jesus in der Neuauflage konsequent Emanuela heißen. Noch eine Bitte zum Schluss: Bevor Sie gleich vor lauter Euphorie über diesen Beitrag zum Hörer greifen, denken Sie an die Schöpfungsgeschichte: Von einem Rest des Menschwesens kann man doch wirklich nichts anderes erwarten.
Bibel in gerechter Sprache
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