Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

25.12.06, 7.45 Uhr, Pfarrer Dr. Sven Keppler

Und ewig lockt der Stall

Isabel ist ein Christkind. Vor zehn Jahren wurde sie geboren, in der Nacht von Heiligabend auf Weihnachten. Wie Jesus vor zweitausend Jahren.

O-Ton: Also der Jesus, der wurde Heiligabend geboren, deswegen heißt der Heiligabend, weil Jesus heilig ist.

Autor: Kein Wunder, dass Isabel sich mit Weihnachten auskennt. Ich frage sie, wie das denn damals war mit dem Jesuskind, dem Stall und der Krippe.

O-Ton: Die Mutter von Jesus war dann schwanger, dann sind die mit nem Esel nach Jerusalem gelaufen. Und da hat sie niemand aufgenommen. Und dann sind die zum Stall gelaufen. Und da waren noch so drei Propheten. Die haben den Stern gesehen und sind dem dann zur Krippe gefolgt.

Autor: Egal ob Jerusalem oder Bethlehem – bei Isabel hat jedenfalls kein Stern vorausgesagt, dass sie einmal ein Christkind werden würde.

O-Ton: Eigentlich hatten die Ärzte gesagt, dass ich Sylvester zur Welt kommen soll. Aber dann bin ich Heiligabend raus gekommen.

Autor: Ich stelle mir vor, dass es gar nicht so toll ist, am Heiligen Abend Geburtstag zu haben. Alle Welt ist mit dem großen Fest beschäftigt. Die letzten Vorbereitungen müssen getroffen werden. Als Geburtstagskind muss man wahrscheinlich ganz schön aufpassen, nicht vergessen zu werden. Und für die Geschenke ist dieses Datum sicher auch kein Vorteil. Aber da widerspricht Isabel: Man kann ja an einem Tag zweimal beschenkt werden:

O-Ton: Einmal, vor zwei Jahren, da bin ich aufgestanden, da hab ich die Geschenke gesucht. Und dann lagen am Abend noch die Geschenke unterm Tannenbaum. Dann gab’s 'n Kuchen.

Autor: Aber ganz zufrieden ist sie trotzdem nicht:

O-Ton: Also ich finde es mittelmäßig. Einmal, die schlechte Nachricht ist, dass man gar keine Freunde einladen kann, wenn man Heiligabend Geburtstag hat.

Autor: Geschenke sind also gar nicht das Wichtigste. Was wirklich zählt, sind die Freunde. Liebe Menschen, mit denen man zusammen feiern kann. So war das ja auch beim Geburtstag von Jesus. Die drei Weisen kamen mit Geschenken. Die Engel mit Liedern. Und die Hirten kamen einfach nur so, um das Geburtstagskind zu bestaunen. Damit Isabel das auch erleben kann, hat sich ihre Mutter etwas Besonderes ausgedacht. Ein halbes Jahr nach Weihnachten, am 24. Juni, gibt es eine Nachfeier mit den Freunden.

O-Ton: Die ist supie! Also manchmal fahrn wir aufn Bauernhof. Da feiern wir dann da. Da ist so ne Halle, da wird immer ne wird immer ne andere Strohburg aufgebaut. Aus solchen Strohballen.

Autor: Fast wie im Stall von Bethlehem. Mit Ochs und Esel, nur mitten im westfälischen Sommer.

O-Ton: N Esel gab`s nicht, aber Kühe gab´s, und Bullen. Und Bullen und Ochsen sind eigentlich so ziemlich dasselbe, oder?

Autor: Ein Christkind und ein Stall – das scheint unbedingt zusammen zu gehören. Bei Jesus lag das an der Armut der Heiligen Familie. Davon kann bei Isabel keine Rede sein. Aber eine Kleinigkeit erinnert auch sie daran, dass die Sache mit dem Stall und dem Stroh einen Haken hat:

O-Ton: Da hatte ich meine hellblauen Schuhe an. Und da hatte ich drei Tage später immer noch das Stroh im Schuh. Und das hat gekratzt.

 

Audiobeitrag Und ewig lockt der Stall


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