Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

22.12.06, 6.56 Uhr, Pfarrerin Claudia Kiehn

Geburtsvorbereitung

Ich habe keine eigenen Kinder. Deshalb habe ich auch nie einen Geburtsvorbereitungskurs besucht. Und doch gibt es für mich Jahr für Jahr so eine Art Geburtsvorbereitung.

Nicht auf die Geburt des eigenen Kindes, sondern auf die Geburt Jesu. Und tatsächlich tun viele von uns in der Adventszeit Dinge, die auch in der Geburtsvorbereitung eine Rolle spielen:

Erstens Ernährung: Das ist immer ein Thema, wenn man schwanger ist. Viele Frauen ernähren sich in dieser Zeit bewusster und gesünder; essen viel Obst und Gemüse. In der Adventszeit verändern sich in der Regel auch unsere Essgewohnheiten. Es spielen nun besondere Gewürze eine Rolle. Es riecht nach Zimt und gebrannten Mandeln. Und viele verwöhnen sich in dieser Vorbereitungszeit mit guten Speisen; gemütlich genossen. Damit machen wir es heute anders als unsere Vorfahren: Die haben nämlich die Adventszeit als Fastenzeit begangen und sich durch den Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel auf die Geburt Jesu vorbereitet. Wie auch immer Sie es handhaben – die Ernährung ist ein Teil der Vorbereitung auf das Weihnachtsfest.

Das zweite: Wer ein Baby erwartet, der beginnt einen Raum herzurichten für dieses neue Kind. Werdende Eltern besuchen Einrichtungshäuser, suchen Möbel aus und Kindertapeten und Schutzkappen für die Steckdosen. In der Adventszeit richten auch wir unsere Häuser her für das erwartete Kind. Nicht in einem besonderen Raum, sondern meisten gewinnt die ganze Wohnung einen Adventsglanz. Viele Menschen schmücken im Advent für das Weihnachtsfest: Da gibt es Engelfiguren, Lichterketten, Duftschalen und Adventskalender. Und kurz vor der Geburt Jesu wird die Wohnung noch einmal auf Hochglanz gebracht. Wie auch immer Sie Ihre Wohnung im Advent gestalten – Das Haus herzurichten, ist Teil der Vorbereitung auf das Weihnachtsfest.

Dann ein dritter und vielleicht der wichtigste Teil der Geburtsvorbereitung: Wenn ein Paar ein Kind bekommt, dann stellt es sich auch innerlich darauf ein. Es muss sich darauf vorbereiten: mit der Geburt wird sich vieles ändern. Die eigene Welt wird auf den Kopf gestellt: Ein Mann und eine Frau bekommen einen neuen Menschen dazu und werden zukünftig zu dritt leben. Auf manches müssen sie verzichten und von manchem auch Abschied nehmen! Manche Wertigkeiten im Leben werden sich durch das Kind verändern. Die Eltern werden mit dem Kind ganz neue Seiten an sich kennen lernen, von denen sie vorher nichts wussten. In der Adventszeit haben auch wir Zeit, uns innerlich auf eine große Veränderung in unserem Leben einzustellen. Denn wenn Gott in unser Leben hineingeboren wird, dann müssen wir uns darauf einstellen, dass unsere Welt auf den Kopf gestellt wird und vielleicht sogar nichts mehr so ist, wie es einmal war. Wir dürfen uns darauf vorbereiten, nicht mehr alleine zu sein, sondern mit Gott an unserer Seite – was auch immer geschieht. Vielleicht müssen wir sogar damit rechnen, dass das Kind im Stall unsere vertrauten Werte durcheinander wirft und plötzlich etwas anderes zählt in unserem Leben als bisher; womöglich werden wir auch auf Dinge in unserem Leben verzichten müssen. Oder wir bekommen im wahrsten Sinne des Wortes Zuwachs. Zuwachs an Hoffnung, Liebe und Freiheit. Für uns und für die Menschen, mit denen wir leben.

 

Audiobeitrag Geburtsvorbereitung


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